11.12.2018

Musikalische Flyline

Jeder Sportwagen hat eine Melodie – aber wie klingt ein Porsche, wenn sein Sound tatsächlich in Musik verwandelt wird? Der Stuttgarter Audio-Künstler Duan Wasi hat die Ästhetik eines Sportwagens aus Zuffenhausen in seine Kunstform übersetzt.

Flyline – so nennen Designer die ikonische Gestaltung der flach abfallenden Dachlinie von Porsche-Modellen. Sie ist ein wichtiger Grund dafür, warum Groß wie Klein mit einem Blick erkennen: Das ist ein 911. Doch die DNA von Porsche besteht aus noch mehr Elementen: Klang, Verarbeitung, Gerüche oder Haptik. Die Liste ist lang.

Hip-Hop-Produzent Duan Wasi, geboren und aufgewachsen in Stuttgart, hat diese komplexe DNA jetzt in Musik verwandelt. „Loop Routines“ nennt sich sein neues Werk, das am morgigen 12. Dezember in einer limitierten Auflage von 500 Vinylplatten veröffentlicht wird. Den Hörer erwartet urbane Clubmusik aus Soundfragmenten, die mit authentischen Porsche-Klängen angereichert wurden. „Le Mans“ heißt deshalb auch ein Stück, für das Duan Wasi mit dem Videokünstler Mikis Fontagnier zusammengearbeitet hat.

Ein auditiver Neuentwurf

Duan Wasi überführt Form und Struktur des für Porsche typischen Designs und seine damit verbundenen Assoziationen in mehrere Szenarien: urban, historisch, technisch sind nur einige Adjektive, mit denen er dem Hörer seine Interpretationsspielräume eröffnet.

Duan Wasis neues Werk heißt „Loop Routines“


Für Duan Wasi ist dies ein Perspektivwechsel, denn er beschreibt sich bewusst auch nicht als Autofan. „Mein Blick liegt eher auf dem Wesen des technischen Objektes, der Historie und dem ikonischen Design, das mich als solches anspricht“, erklärt der Künstler. 

Seine Herangehensweise ist dabei nahezu wissenschaftlich: Im Rahmen der Produktion hat Duan Wasi die Werkstatt des Porsche Museums besucht. Dort konnte er in mehreren Aufnahme-Sessions die Grundlagen legen und verschiedene Klangelemente des Le Mans-Fahrzeugs 911 GT3 RSR (Typ 996) einfangen.

Die Herangehensweise von Duan Wasi war beinahe wissenschaftlich


„Ich habe zunächst auditive Äquivalente für Begriffe wie beispielsweise Druck, Form, Dynamik, Tempo oder Rotation gesucht“, so Duan Wasi. Unter Verwendung verschiedener Designmethoden der Signalverarbeitung, wie Multibandfilter und Granularsynthese, wurden die Sounds aufbereitet und zu den Sample-Kollagen hinzugefügt.

Verortet wird das Konzept in den Genres Soul und Psychodelic Blues. „Während die perkussiven Elemente klar ausgearbeitet sind, sodass Geschwindigkeit und Tempo deutlich zum Ausdruck kommen, werden andere Motive lediglich angedeutet. Auf den Hörer wirken sie wie Schnappschüsse“, beschreibt Duan Wasi den Sound. „Sie leben von ihrer Reduzierung auf wesentliche Elemente ihrer musikalischen Zusammensetzung und sollen ein Gefühl wie von Steve McQueens Le Mans-Film vermitteln. Ich würde die Wirkung als hypnotisch und spannend zugleich beschreiben.“

Hochwertiger Musikclip

Abgerundet wird das musikalische Konzept durch eine aufwendig inszenierte Videosequenz. Der international tätige Fotograf und Filmer Mathias David begleitete den Künstler und dokumentierte die Entstehung der Session mit der Kamera. Das Porsche Museum ist zentraler Ort des Geschehens und die futuristische Architektur des Gebäudes Teil des visuellen Konzepts.

Das musikalische Konzept wird durch eine aufwendig inszenierte Videosequenz abgerundet


Für einzelne Clip-Sequenzen wurden Originalaufnahmen der Rennen von Le Mans aus dem Porsche-Archiv verwendet und von dem Videokünstler Mikis Fontagnier in der Postproduktion arrangiert. Entstanden ist ein Musikvideo mit höchstem künstlerischen Anspruch, das Konzepte von Reklame, Hip-Hop, klassischem Musikvideo und Bildender Kunst miteinander verbindet.

Im Gespräch mit Kimsy von Reischach erklärt Duan Wasi, wie dieses Kunstwerk entstanden ist.

   
Über Duan Wasi

Der Künstler Duan Wasi ist 1974 in Stuttgart geboren und im Stadtteil Feuerbach aufgewachsen. Teile seiner Arbeiten sind heute weitgehend als Meilensteine deutschsprachiger Hip-Hop-Musik anerkannt. Dazu zählt das Album „Kopfnicker“ der Formation „Massive Töne“, das er als Produzent und Mitbegründer der Gruppe maßgeblich mitgestaltet hat.

Er gilt als einer der Vorreiter der Hip-Hop-Samplingkultur, die er als Stilmittel der kompositorischen Praxis und Kulturtechnik in Deutschland mitgeprägt hat. 2017 sind originale Notizen seiner früheren Arbeiten in die kulturhistorische Sammlung der Stadt Stuttgart aufgenommen worden. Sie sind in der ständigen Ausstellung „Stadtgespräche“ im Stadtpalais zu sehen.

Seit 2012 unterrichtet Wasilios Ntuanoglu, so sein bürgerlicher Name, an der Popakademie Baden-Württemberg im Masterstudiengang Popular Music „Digitale Quantisierungstechniken und Sampling Konzepte im Kontext kontemporärer Hip-Hop-Musik“.

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