19.09.2018

Coming home

„Luftgekühlt“ ist endlich nach Deutschland gekommen. Der US-Werksfahrer und Initiator des klassischen Porsche-Treffens, Patrick Long, war höchstpersönlich anwesend und stieß mit seiner Crew auf einige Überraschungen in der bayrischen Landeshauptstadt München.

„Das toppt alles, was wir uns für unser erstes Mal in Deutschland ausgemalt haben“, sagt Patrick Long, als er von der Dachterrasse des Münchener Werksviertels hinabblickt. Auf dem Areal um die alte Kartoffelfabrik, sechs Stockwerke weiter unten, tummeln sich etliche Menschen. Besondere Porsche-Sportwagen der luftgekühlten Ära aus ganz Europa haben sich zwischen ihnen formiert. Sie sind der Einladung von Luftgekühlt MUC gefolgt, die besonders in den sozialen Netzwerken verbreitet wurde. „Unter der Regie von Jeff Zwart finden hier alle Sportwagen ihren idealen Platz“, erzählt der einzige Porsche-Werksfahrer aus den USA und zeigt auf einen Mann, der auf einem Fahrrad über den Parcours fährt.

Unter der Regie von Jeff Zwart finden alle Sportwagen ihren idealen Platz


„Jeff als Filmemacher und Porsche-Enthusiast hat den perfekten Blick für so ein Arrangement. Für ein paar Stunden tanzen alle ankommenden Sportwagen nach seiner Pfeife. Wenn die Gäste merken, wer sie dort in die passende Lücke lotst, sind sie umso stolzer, wenn sie es geschafft haben“, freut sich Long. Doch das Parkmanöver ist nichts zum Akt vom Tag zuvor.

Um vier besonders wertvollen Porsche eine entsprechende Ausstellungsfläche zu bieten, hievte die Luftgekühlt-Crew um Werksfahrer Long, Pikes-Peak-Legende Zwart und Curves-Fotograf Stefan Bogner sie kurzerhand in den 5. Stock des Gebäudes. Fest verzurrt ging es für jeden einzelnen Sportwagen im Schiffscontainer 50 Meter in die Höhe. Nicki Knoll, dem Besitzer des Porsche 911 2.3 ST Repsol, war etwas mulmig zumute. Zuhause parkt das Fahrzeug zwar noch einmal, aber eben nur als Kopie. Die wertvolle Fracht kam jedoch sicher an ihren Bestimmungsort. Knolls Porsche gesellt sich irgendwann neben Steve McQueens Porsche 908 Spyder, einem 935 K3 im Originalzustand und 850 PS sowie einem Porsche 911 GT2 auf 993-Basis, der 1997 in Le Mans auf Rang 11 fuhr.

McQueens Porsche 908, ganz in weiß, scheint förmlich im Raum zu schweben. Der Rennwagen, der 1970 während des echten Rennens für die Dreharbeiten zu McQueens Film Le Mans die nötigen Bilder einsammeln sollte, platzierte sich sogar noch auf Rang 9. Am Steuer damals: Herbert Linge. Im gleichen Jahr fuhr McQueen den Porsche mit gebrochenem linken Fuß und Teamkollegen Peter Revson auf den 2. Platz der 12-Stunden von Sebring. Der US-Schauspieler klebte sich damals Sandpapier auf die Sohlen, um nicht mit dem bandagierten Fuß von der Kupplung zu rutschen. King of Cool eben.

Die Stimmung auf der fünften Version von Luftgekühlt in der bayrischen Bundeshauptstadt ist ausgelassen. Howie Idelson, der zusammen mit Patrick Long die Idee zu Luftgekühlt hatte, ist auch vor Ort und übernimmt, als Patrick per Funk von seiner Crew nach unten gerufen wird.

„Wir waren schon etwas nervös, nach Deutschland zu kommen. In die Geburtsstätte von Porsche unsere amerikanische Idee eines klassischen Autotreffens zu tragen, ist eine kleine Herausforderung“, erzählt Idelson. „Aber ich denke, wir haben es geschafft. Schon jetzt ist die Besucherzahl doppelt so hoch wie bei unserem letzten Event in England. Die Leute sind happy.“ Idelson ist von Anfang an dabei und hat als Designer mit Benzin im Blut der Marke Luftgekühlt ihr unmissverständliches Gesicht gegeben. „Patrick und ich kennen uns aus dem Kart-Sport und sind echte Petrolheads. Uns missfielen die amerikanischen Autoshows, auf denen niemand mit dem anderen sprach. Männer starrten stumm auf die ausgestellten Autos, nirgends waren Frauen und Kinder zu sehen. Mit Luftgekühlt haben wir das geändert“, so der US-Amerikaner.


Luftgekühlt lebt nicht nur von den ausgestellten Sportwagen allein - es sind die unterschiedlichsten Charaktere, die das klassische Porsche-Treffen auch hier in München besonders machen. Menschen, die von weit aus dem Norden mit dem Surfbrett auf dem Dach anreisen. Enthusiasten ohne Auto, die für drei Stunden aus England eingeflogen kommen, weil sie am Montag wieder pünktlich bei der Arbeit sein müssen. Menschen, wie der in New York lebende schwedische Designer, der unter Charles Eames lernte und per verschifften Porsche 912 Luftgekühlt als Zwischenstopp auf seiner Europareise einlegt. Oder Xavier aus Avignon, der mit seinem 1959er Porsche 356 nach München gefahren ist, so wie er ihn von seinem Besitzer in den USA übernommen hat. „Die Rostblüten konserviere ich sofort mit einem Spezialmittel. Alles an diesem Porsche ist Original. Okay, die Scheibenwischergummis habe ich ersetzt, das war's aber auch schon.“

Sogar Porsche-Instanzen mischen sich unter das Publikum:
Thorsten Klein, Interieur-Designer, ist genauso angereist wie Tony Hatter, Leiter der Abteilung Design Qualität Style oder Patrick Longs langjähriger Rennleiter Roland Kussmaul, der mit einem der drei legendären 914/6 GT anwesend ist. Nicht per Hänger, so wie man es sicherlich erwartet hätte, sondern auf eigener Achse. 1970 belegte Porsche mit dem 914/6 GT während des 86-Stunden Rennens vom Nürburgring, dem Marathon de la Route, die Plätze eins bis drei. Zwei der drei Siegerwagen existieren noch, von dem dritten fehlt jede Spur.  Kussmaul selbst kam 1969 als junger Ingenieur zu Porsche und wurde später Entwicklungs- und Renningenieur. „Als Patrick anrief und verriet, dass er mit Luftgekühlt nach Deutschland kommen will und mich einlud, schlug ich sofort ein.“ Unter Kussmaul gewann Long 2014 zusammen mit Sascha Maasen und Jörg Bergmeister seinen ersten Le Mans GT-Sieg auf dem 911 GT3-RS. Die beiden haben sich länger nicht gesehen. Luftgekühlt hat sie wieder zusammen gebracht.

Alle finden hier einen gemeinsamen Nenner: Porsche. Idelson und Long ist es mit großer Unterstützung von Porsche Deutschland gelungen – der Spirit von Luftgekühlt ist auch in München zu spüren.

Die Planung für Luftgekühlt München unterschied sich jedoch etwas von den Luftgekühlt Treffen in Los Angeles. „Wir hatten viele Meetings. Lange Meetings... Aber das deutsche Ordnungsbewusstsein und die Pünktlichkeit werden wir mit nach Amerika nehmen“, verabschiedet sich Long mit einem Zwinkern.

Info

Fotos: Stefan Bogner

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