14.09.2016

718 Boxster: 100 Prozent Testing

Von der kleinsten Komponente bis zum gesamten Fahrzeug muss jede Entwicklung umfassend getestet werden, bis sie reif ist für die Serie. Die Erprobung des neuen Porsche 718 Boxster.

Die Erprobungsdienstleistungen von Porsche Engineering verbinden einzigartige Ressourcen wie etwa das Nardò Technical Center in Süditalien mit dem Know-how und der Erfahrung aus der Serienentwicklung von Sportwagen. So sind weltweit unterschiedlichste Streckenprofile und vollumfängliche Erprobungen inklusive aller erforderlichen Versuchsauswertungen verfügbar.

Start

Giancarlo Vella (l.) ist der Erprobungsverantwortliche

Giancarlo Vella, der zuständige Erprobungsverantwortliche für die anstehende Erprobung des neuen 718 Boxster, übernimmt das Fahrzeug beim Kunden vor Ort zur Überfahrt nach Nardò. Die Aufgabe: innerhalb kürzester Zeit eine hohe, kundennahe Dauerlaufdistanz inklusive vorgegebener Erprobungsumfänge auf fest definierten Streckenprofilen zu absolvieren. Nach Durchführung der Fahrzeugchecks und Erledigung aller Formalitäten kann es losgehen.

Überfahrt

Erste Langstreckenfahrt: Von Weissach in Deutschland nach Nardò in Süditalien

Bereits die 1600 Kilometer lange Überfahrt von Weissach nach Nardò stellt als Langstreckenfahrt einen ersten wichtigen Bestandteil des vorgesehenen kundennahen Dauerlaufs dar. Mit ihr beginnt die Alterssimulation von Fahrzeugen, um diese in unterschiedlichen Zuständen zu testen.

Ankunft

Check-in im Nardò Technical Center in Süditalien

Aufgrund der Sicherheits- und Geheimhaltungsregeln erfolgt die Anmeldung von Fahrer und Fahrzeug für das Nardò Technical Center bereits im Vorfeld. Auch die relevanten Strecken wurden vorab reserviert. 

Vorbereitungen

Im Werkstattbereich wird die Eingangsüberprüfung durchgeführt und das Fahrzeug auf die nächste Etappe vorbereitet: Auf der 12,6 Kilometer langen Ringstrecke werden die Hochgeschwindigkeitsanteile der Erprobung im Rahmen des sogenannten Bundesautobahn-Ersatzprogramms mit der jeweiligen Maximalgeschwindigkeit des Fahrzeugs gefahren – in diesem Fall 275 km/ h. Hierfür übernimmt ein Berufstestfahrer das Fahrzeug. Die Rennmontur inklusive Schutzhelm ist dabei Pflicht.

Kommunikation

Der Fahrer hält über Funk Kontakt

Über Funk kann der Fahrer jederzeit Kontakt mit dem Erprobungsverantwortlichen oder dem Werksschutz aufnehmen, um beispielsweise Informationen oder Warnhinweise weiterzugeben.

Erprobung auf der Ringstrecke

Die Ringstrecke: Fahrt bei sehr hohen Geschwindigkeiten und entsprechend intensiver Belastung

Über einen im Fahrzeug installierten Transponder wird das Fahrzeug an der Zufahrt erkannt. Die Schranke öffnet sich. Für das Fahrzeug bedeutet das nun Fahrt bei sehr hohen Geschwindigkeiten und entsprechend intensiver Belastung. 

Die Innenneigung der Ringstrecke ermöglicht die Fahrt auf der äußersten Fahrspur bei 240 km/h ohne einzulenken. Für den Fahrer ist dabei höchste Konzentration erforderlich. Durch ärztliche Untersuchungen wird die Gesundheit und die körperliche Fitness der Fahrer regelmäßig überprüft.

Nach Abschluss der Testeinheit werden die Ergebnisse festgehalten und ein erstes Resümee gezogen. Der Fahrer informiert den Erprobungsverantwortlichen über alle Einzelheiten und übergibt anschließend das Fahrzeug.

Weitere Tests

Verschiedene Betätigungs- und Fahrprogramme im Rahmen eines Dauerlaufs werden beispielsweise auf den Rollenbahnen und der Dynamikfläche durchgeführt. 

Planung für den Folgetag

Während mit der Nachtschicht eine weitere Testetappe beginnt, plant Giancarlo Vella die Details des Folgetages. „Nur mit genauer Vorbereitung und Planung kann das vom Kunden geforderte Testprogramm vollumfänglich und im gegebenen Zeitfenster gefahren werden“, so Vella.

Nächster Tag

Nach der Nachtschicht wird früh morgens in den nächsten Erprobungstag gestartet. Heute stehen Überland- und Stadtfahrten auf dem Programm. Nach dem Check-out an der Pforte begibt sich der Porsche 718 auf die Straßen von Apulien …

Überlandfahrt

Bei aufgehender Morgensonne ist das Testfahrzeug unterwegs in Richtung Norden. „Natürlich sind für uns auch Schlechtwegestrecken interessant. Im Rahmen von verschiedenen Tests gilt es, die Fahrzeuge gerade in solchen Extremsituationen zu überprüfen“, so Vella. 

Eine Gebirgsstraßen in Süditalien

Anspruchsvolle Gebirgsstraßen in Apulien verlangen Kupplung, Bremsen, Fahrwerk und Reifen einiges ab. Eine Schafherde passiert die Straße und sorgt kurz für Entschleunigung, bevor die fordernde Etappe fortgesetzt wird.

Der 718 Boxster macht einen kurzen Zwischenstopp

Die Tankpause wird auch genutzt, um weitere Tests durchzuführen, wie zum Beispiel Öffnen und Schließen von Verdeck, Fenstern oder Kofferraum, und Erprobungserkenntnisse von der bisherigen Fahrt zu dokumentieren – immer gemäß den Vorgaben und Anforderungen des Kunden. 

Unterwegs

Während die Dörfer bei gemäßigtem Tempo durchfahren werden, bieten die Schnellstraßenanteile der vorgegebenen Routen aufgrund ihres größtenteils geraden Verlaufs eine gute Möglichkeit, die Fahrerassistenzsysteme der Fahrzeuge zu überprüfen.

Der Tag neigt sich dem Ende zu

Zurück in Richtung Nardò Technical Center

Nachdem die Testeinheit absolviert wurde, geht es zurück in Richtung Nardò Technical Center. Beim Schichtwechsel kommen die Fahrer und der Erprobungsverantwortliche zusammen und tauschen sich zu den Ergebnissen aus. Bis der Erprobungsplan gemäß den Kundenanforderungen erfüllt ist, stehen weitere Fahrten an – sowohl auf dem Testgelände als auch auf öffentlichen Straßen. Sind schließlich alle Tests durchgeführt und deren Auswertungen erfolgt, werden Letztere gemeinsam mit dem Fahrzeug an den Kunden in Deutschland übergeben.

Info

Text erstmalig erschienen im Porsche Engineering Magazin, Ausgabe 1/2016

Text: Nadine Guhl  // Fotos: Steffen Jahn

Verbrauchsangaben

718 Boxster: Kraftstoffverbrauch kombiniert*: 7,4-6,9 l/100 km; CO2-Emission kombiniert*: 168-158 g/km

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