29.01.2019

Project Top Secret

Die Neuauflage des Porsche 935 schlug bei der Rennsport Reunion 2018 große Wellen. Doch was geschah in den Wochen und Monaten vor der Enthüllung? Der Porsche Newsroom gewährt bisher nie gezeigte Einblicke in das Innenleben des Entwicklungsteams.

Niemand hat etwas geahnt. Bis zum Schluss war alles streng geheim. Fahrzeugtests wurden erst zum Schluss getätigt. Generelles Treiben in Weissach wurde gut abgeschirmt. Nichts drang nach außen. Nicht einmal andere Abteilungen bekamen Wind von dem Projekt "Flatnose". Der Überraschungsmoment zur finalen Präsentation im kalifornischen Laguna Seca wirkte somit wie sein maximales Drehmoment: überwältigend. Etwas weiter weg vom Rummel stand abseits der, der ihn entworfen hat: Grant Larson. Lange haben er und das Entwicklerteam besonderes Stillschweigen wahren und auf diesen Moment warten müssen. Nach Monaten voller Anspannung durfte der von ihnen kreierte Sportwagen endlich ins Licht. Larson schuf das Design jenes Nachfolgers des legendären 935.

Bis zum Schluss streng geheim: die Neuauflage des Porsche 935


Auf Basis des Porsche 911 Typ 930 sorgte der zwischen 1976 und 1986 eingesetzte Rennwagen auf internationalen Rennstrecken für Furore. Der 935 wurde dabei sowohl von Porsche-Werksteams, als auch von privaten Rennteams genutzt. Vier Mal in Folge gewann er für Porsche die Markenweltmeisterschaft.

Er dominierte mehrmals die 12-Stunden von Sebring genauso, wie das 24-Stunden-Rennen von Daytona. In Le Mans ging er als Klassensieger hervor. Kein anderer seriennaher Rennwagen hat so viele Erfolge eingefahren. Besonders im weißen Martini-Kleid, das dem Le Mans-Rennwagen 935/78 den Kosenamen Moby Dick einbrachte, statuierte der 935 ein Exempel für die Ewigkeit.

Larson: „Wir hatten für die Realisierung nicht besonders viel Zeit“

„Das Erbe eines so sagenumwobenen Porsche anzutreten, hat jeden Einzelnen vom ersten Moment an mit Stolz erfüllt“, erinnert sich Designer Larson. Die aufreibende Entwicklungszeit lässt er noch einmal Revue passieren: „Im Grunde hatten wir für die Realisierung nicht besonders viel Zeit. In drei bis vier Tagen sollte zumindest das Exterieur-Design stehen. Es gab also nur einen Versuch – und der musste sitzen“, erklärt Larson, während seine Augen der Linienführung des neuen 935 folgen. „Das Besondere an dem Projekt waren die Freiheiten, die man uns eingeräumt hat. Da keine Homologation vorgesehen war, konnten die Ingenieure und wir uns frei entfalten“, freut sich der Designer. „Mein Team und ich waren von Anfang an extrem motiviert. So eine Chance bekommt man nicht jeden Tag“, weiß Larson, dessen Handschrift der Porsche Carrera GT, der 911 Typ 997 und der Boxster tragen.

Larson schuf das Design jenes Nachfolgers des legendären 935


Neben Grant Larson waren auch Matthias Scholz und Kay-Alexander Breitbach, Gesamtprojektleiter und Projektleiter GT Kundensport, sowie das komplette 935-Team zur Präsentation nach Kalifornien gekommen. Inklusive Partner. Auf eigene Kappe. Gemeinsam bewohnten sie eine angemietete Villa in den Bergen von Monterey, unweit der Rennstrecke von Laguna Seca. Eine Art Porsche-WG.

„Natürlich war nicht jeder Mitarbeiter für die Premiere in den USA vorgesehen, so haben sich die meisten von uns extra Urlaub genommen“, erzählt Breitbach begeistert. „Am neuen 935 mitgearbeitet zu haben, ist für jeden von uns etwas Besonderes. Der Porsche hat uns noch ein Stück mehr zusammengeschweißt“, so Breitbach. „Dass er schließlich zur Rennsport Reunion seine Premiere gefeiert hat, dazu im Jubiläumsjahr, ist einfach gigantisch.“

Porsche-Ingenieure waren früh in die Fahrzeug-Entwicklung eingebunden

Dabei waren die Porsche-Ingenieure ungewöhnlich früh in die Fahrzeug-Entwicklung eingebunden. „Normalerweise kommen wir spätestens im Windtunnel zum Einsatz. Beim neuen 935 waren wir jedoch schon im Design-Studio involviert. Das hat für eine besondere Gruppendynamik gesorgt“, erzählt Matthias Scholz.

Breitbach: „Am neuen 935 mitgearbeitet zu haben, ist für jeden von uns etwas Besonderes“


Der neue Porsche 935 soll zu Clubsport-Veranstaltungen oder auf privaten Rennstreckentrainings zum Einsatz kommen. Auf Basis des 911 GT2 RS wurden, angelehnt an sein historisches Vorbild, großflächige Karosserieteile durch Kohlefaser-Elemente ersetzt. Die Grundfarbe ist wie bei seinem Vorgänger Moby Dick weiß. Mit einer Gesamtlänge von 4,87 Metern liegt unter dem langgezogenen Heck tief versteckt der Porsche 911.

„Dieses spektakuläre Auto ist das Geburtstagsgeschenk von Porsche Motorsport an die Fans in aller Welt“, sagt Dr. Frank-Steffen Walliser, Leiter Motorsport und GT-Fahrzeuge.

Verbrauchsangaben

911 GT2 RS: Kraftstoffverbrauch kombiniert 11,8 l/100 km; CO2-Emission 269 g/km

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