21.10.2016

Die Carrera Panamericana 2016

18 historische Porsche sind beim legendären Langstrecken-Straßenrennen 3700 Kilometer durch Mexiko gefahren. Am Schlusstag haben die Piloten auf die Königsetappe mit dem Namen „Rückrad des Teufels“ hingefiebert.

Tag 7

Ein weiterer Marathontag mit acht Sprintetappen. Von Zacatecas in Richtung Norden nach Durango. Fast 700 Kilometer bei warmem, sonnigem Wetter. Über Highways und Bundesstraßen, durch Gebirgsketten, Halbwüsten, Canyons. Durch Prärielandschaften wie im Wilden Westen. Als das bunte Fahrerfeld sich der fast 34 Kilometer langen Königsetappe – Espinazo del Diablo (Rückrad des Teufels) näherte, entschied die Rennleitung: Die Speedetappe oberhalb Durango’s wird kurzerhand zur normalen Transitstrecke umfunktioniert. Grund waren einsetzender Regen und frisch aufgetragener Rollsplitt. Eine für den Motorsport unheilvolle Mixtur. Trotzdem gaben die Piloten auf der Teufelsetappe mächtig Gas und lieferten sich auf der Strecke, die wegen ihrer Kurven, Anstiege und Gefälle meist nur im zweiten und dritten Gang zu befahren ist, rasante Duelle.

Porsche 356-Copilotin Frauke Feess war nach dem Motoren-Marathon über sieben Tage und 3700 Kilometer „glücklich, angekommen zu sein“. Wird sie wiederkommen? „Ich musste meinem sich sehr um mich sorgenden Vater zwar versprechen, dass diese Carrera meine erste und einzige ist“, sagte die Blondine lächelnd. „Doch ich weiß nicht, ob ich das Versprechen halten kann. Und will. Ich bin mir zwar noch nicht ganz sicher, aber ich denke schon, dass ich mich mit dem Carrera-Virus infiziert habe.“

Der Porsche 356 in Mexiko

Tag 6

Das war ein langer, heißer, staubiger Tag heute. 571 Kilometer, acht Speedetappen auf dem Weg von Guanajuato bis in die alte Silberstadt Zacatecas. Und die meisten Teams haben sich saftige Strafzeiten eingehandelt, weil sie es nicht pünktlich zum Start der fünften Speedetappe geschafft hatten. Gar nicht schaffen konnten. Gut 200 Kilometer in zwei Stunden über Mexikos reguläre Autobahnen und holprige Landstraßen, das war von den Carrera-Machern sehr eng kalkuliert. Obwohl die Piloten in höchster Eile die normalen mexikanischen Verkehrsteilnehmer nicht nur links überholten.

Die letzten fünf Kilometer zum Start der Speedetappe gingen nicht über Asphalt, sondern über einen knochentrockenen Prärieweg. Und der war im Roadbook gar nicht als solcher ausgewiesen.

Der Porsche 911 E 1969 vom Team López Rocha/Vázquez Lecanda

Das Duo Christian Jäger/Frauke Feess im gelben Porsche 356 konnte auf der elf Kilometer langen Speedetappe eine Kollision mit einer frei laufenden Rinderherde gerade so verhindern. Beachtliches Reaktionsvermögen, tolles Fahrverhalten  – und typisch Carrera: Immer für Überraschungen gut. Bei der morgigen Abschlussetappe fahren mehrere Porsche um die Siege in ihren Klassen. Und auch im Gesamtklassement dürften in diesem Jahr wieder sehr gute Platzierungen herausspringen.

Tag 5

Heute ging es von Morelia über sechs Speedetappen und 396 Kilometer nach Guanajuato. Weltkulturerbe und wohl die schönste Stadt Mexikos. Der Schwede Stefan Johansson, von 1980 bis 1991 Formel 1-Pilot, 1997 im Porsche Le Mans-Gewinner und in diesem Jahr bei der Carrera als Grand Marshal aktiv, hatte am Abend zuvor bei der Ehrung der Tagessieger noch ebenso euphorische wie mahnende Worte an die Carreraristen parat. Für ihn sei die PanAm das ultimative Straßenrennen, sagte er: „Aufregend und gefährlich zugleich.“

Genau das ist sie auch für die Deutsche Frauke Feess. Schon nach wenigen Kilometern der ersten Speedetappe auf vom Regen der letzten Nacht rutschigem Asphalt landeten sie und Pilot Christian Jäger in der Böschung. Doch sie hatten Glück im Unglück. Keine Verletzungen, nur ein paar Dellen und Kratzer. Sie und der gelbe Porsche 356 sind morgen wieder startklar. Das deutsche Team hat in der Klasse Sport Menor nun zwar keine Siegchancen mehr. Doch es will unbedingt das Ziel erreichen. 1261 Kilometer liegen noch vor ihnen.

Der Porsche 356 B vom Team Feess/Jäger ist wieder startklar

Tag 4

Beim Start um acht Uhr morgens vor vielen Fans im historischen Stadtzentrum von Toluca schickte ein Geistlicher die Piloten mit Weihrauch und guten Wünschen auf die Strecke. Acht Speedetappen über 83 Kilometer und Transitstrecken von insgesamt 339 Kilometern hatten die Fahrer vor der Brust. Der Höhepunkt: Mil Cumbres. 19 Kilometer für die Carrera abgesperrte Strecke, wie modelliert für echte Rennfahrer. Kurve folgt auf Kurve. Der Asphalt ist griffig, die Straßenneigungen sind wie Verneigungen der Carrera vor den Piloten. Als wolle sie den Piloten etwas ganz Besonderes bieten.

In der quicklebendigen Kolonialstadt Morelia, dem Etappenziel, ist Porsche 356-Pilot José Juan Gutiérrez einfach nur eins: „Glücklich.“ Der Mexikaner war gleich am ersten Tag auf den ersten paar hundert Metern der ersten Speedetappe von der Straße abgekommen. Doch seine Mechaniker-Crew machte seinen 62 Jahre alten Sportwagen über Nacht wieder flott. Und Gutiérrez kommt von Tag zu Tag immer besser in Fahrt. „Die Konkurrenz ist zwar hart, aber eine Tagesetappe möchte ich in der Sport Menor-Klasse unbedingt gewinnen“, sagt er. Zweiter ist er heute schon geworden.

José Juan Gutiérrez im Porsche 356 von 1954

Tag 3

Die „PanAm“ machte heute ihrem rabiaten Ruf auf der Etappe von Mexiko City nach Toluca alle Ehre. Sie ist und bleibt einfach das größte Abenteuer, das Motorsportler auf der Straße erleben können. Sie ist eine rassige Schönheit, eine wildes, unberechenbares Biest. Die Piloten haben 15 bis 18 Stundentage, ihre Mechaniker arbeiten oft einfach gleich durch, um der Rallye zu folgen und die Rennwagen wieder flott zu bekommen.

Es gibt Männer, die haben seit 72 Stunden kein richtiges Bett mehr gesehen, höchstens mal ein Viertelstündchen Schlaf in ihrer fahrbaren Werkstatt oder auf dem Boden der Tiefgarage in den Fahrerhotels bekommen.

Der Porsche 356 in Mexiko

Bei mehreren der neun Geschwindigkeitsprüfungen waren Speed Bumps gar nicht im Roadbook verzeichnet. Ein altes Carrera-Problem. Einige gut im Rennen liegende Sportwagen hoben bei Tempo 150 den Abflug gemacht – und konnten nicht mehr weiter fahren. Nicht mal 50 der 70 gestarteten Teams erreichten nach 409 Tageskilometern das Ziel in Toluca. Die, die es wie das deutsche Porsche 356-Duo Frauke Feess/Christian Jäger nicht geschafft haben, hoffen nun über Nacht auf die Zauberkünste und das Stehvermögen ihrer Technik-Crews. Doch um empfindliche Strafzeiten kommen sie nicht herum.

Tag 2

Die Tagesetappe von Puebla nach Mexiko City wird den Carrera-Piloten sicher lange in Erinnerung bleiben. Weil sie so aufregend, anstrengend und abenteuerlich war. Acht Vollgas-Etappen über insgesamt 93 Kilometer und Transitabschnitte über 515 Kilometer galt es zu meistern.

Viele Zuschauer bevölkerten an diesem arbeitsfreien Samstag bei 25 Grad und Sonnenschein die von Dornenbüschen, Kakteenwäldern und schroffen Felsen gerahmten Pisten. Am Straßenrand wurde gegrillt, gefeiert, gestaunt und gejubelt. Nach der letzten Geschwindigkeitsprüfung bereiteten tausende Fans im staubtrockenen Westernstädtchen Tehuacan den abgekämpften Piloten einen begeisterten Empfang. Unzählige Fotos wurden geschossen, Videos gemacht und Autogrammkarten verteilt.

Zwei Porsche 911, Baujahr 1969 und 1973, fahren nach Tag 2 recht weit vorn im Gesamtklassement mit. Auch die deutsche Carrera-Debütantin Frauke Feess und ihr Pilot Christian Jäger hatten bei der täglichen Siegerehrung Grund zur Freude: In der Klasse Sport Menor wurden sie mit ihrem Porsche 356 Dritter der Tageswertung. „Alles super“, sagt Copilotin Frauke Feess, etwas erschöpft, aber glücklich: „Und damit meine ich nicht das Benzin, das wir tanken.“

Der Porsche 356 B von 1963 auf der Rennstrecke

Tag 1

Wie immer zählt für die Piloten vom Start weg nur eins: Tempo! Auf dem Weg von Queretaro (200 Kilometer nordwestlich von Mexiko City gelegen) nach Puebla in der Sierra Nevada absolvierten die Rennfahrer aus Latein- und Südamerika, Europa und den USA sieben sehr anspruchsvolle, enorm kurvenreiche Speed-Etappen und kämpfen sich über 527 Kilometer Transitstrecke. Insgesamt ging es am ersten Renntag über 635 Kilometer durch Gebirge und Dschungel. Die Temperaturen variierten je nach Höhenlage zwischen zehn und 30 Grad. Optisches Highlight des Tages: Der Blick auf den 5426 Meter hohen Vulkan Popocatepetl vor den Toren Pueblas.

Einige Rennwagen kamen von der Straße ab, touchierten die Felswand oder überschlugen sich. Ernsthafte Verletzungen gab es jedoch, den hohen Sicherheitsstandards mit Überrollkäfigen und Fangnetzen sei dank, keine – und die meisten Maschinen-, Material- und Blechschäden werden die zahlreichen Mechaniker der Teams wohl über Nacht beheben.

Die Deutsche Carrera-Debütantin Frauke Feess, 41, gemeinsam mit ihrem Piloten Christian Jäger, 53, im gelbem Porsche 356 B unterwegs, ist schon nach dem ersten Renntag begeistert: „Die Carrera ist, wie ich sie mir erträumt habe: Es sind tolle Leute hier, der Spirit gefällt mir. Ich habe großen Spaß und denke, das Roadbook und ich, wir kommen gut miteinander klar.“ Pilot Jäger lächelt. Er weiß, es kommen noch viele Herausforderungen auf ihn, seine Copilotin und seinen 53 Jahre alten Sportwagen zu. Dies ist bereits sein drittes Carrera-Abenteuer. Und diesmal möchte er in seiner Klasse (Sport Menor) weit vorne landen. Seine größten Konkurrenten: Die anderen 356er.

Frauke Feess und Christian Jäger starten im 356 B von 1963

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