25.08.2015

Eine Runde Geschichte

Am 1. Juli 1975 wird das Testzentrum als „Gesellschaft für Automobilteststrecken Nardò“ gegründet. 40 Jahre erfolgreiches Testing in Bildern.

1975

Gründung des Testzentrums

Zu diesem Zeitpunkt existieren der Rundkurs mit Bahnen für Pkws und Lkws, die Dynamikfläche für Pkws sowie der Überwachungsturm.

1977

Niki Lauda testet sechsrädrigen Formel-1-Ferrari

Der Ferrari 312 T2, den Niki Lauda am 13. März 1977 auf dem Rundkurs testet, ist ein einzigartiger Prototyp. Mit dem Ziel, die Aerodynamik dieses Fahrzeugs zu verbessern, wurde der Ferrari mit sechs Rädern ausgestattet – dabei wurden vier Vorderräder an der Hinterachse montiert.

Niki Lauda, Nardò Technical Center, 1977, Porsche AG

1979

Mercedes-Benz stellt italienischen Höchstgeschwindigkeitsrekord auf

Mit einem 4,82-Liter-Biturbo-V8-Motor und einer Leistung von 373 kW (500 PS) bei 6200 U/min erreicht ein Mercedes-Benz C111-IV die Geschwindigkeit von 403,978 km/h. Der Chefingenieur Hans Liebold fuhr mit diesem Fahrzeug am 5. Mai 1979 die „fliegende Runde“ auf der Nardò-Ringstrecke in 1:57 min.

Mercedes-Benz C111-IV, Nardò Technical Center, 1979, Porsche AG

1980

Verbesserung der Sicherheitsstandards

Mit der Installation von sogenannten Anti-Dozing-Bumps (Bodenwellen aus Stein als Streckenbegrenzung) am Rande des Rundkurses sind die Sicherheitsstandards bereits 1980 auf sehr fortschrittlichem Niveau. Die „Bumps“ sorgen dafür, dass die Fahrer im Falle von Sekundenschlaf beim Abkommen von der Fahrbahn gewarnt werden. Auch in den Folgejahren wird das Thema Sicherheit kontinuierlich weiter vorangetrieben. Im Jahr 1990 wird auf dem Rundkurs das erste Unfallwarnsystem eingerichtet, durch das alle Fahrer auf der Strecke im Falle von Gefahrensituationen alarmiert werden.

ARVW erreicht sechs Klassen-bestmarken und zwei Weltrekorde

Über 5 Meter lang, mehr als 360 km/h schnell, nur 13,6 Liter Kraftstoffverbrauch auf 100 Kilometer bei Höchstgeschwindigkeit und Platz für nur eine Person: Das ist der ARVW (Aerodynamik Research Volkswagen), der im September 1980 ganze sechs Klassenrekorde und zwei Weltrekorde in Sachen Geschwindigkeit auf der Strecke in Nardò aufstellte.

Bau der Lkw-Dynamikfläche

1982: Schon wenige Jahre nach der Eröffnung wird das Testzentrum weiter ausgebaut und um eine Dynamikplattform für Lkws erweitert. Die Plattform selbst umfasst eine Fläche von 175 x 150 Metern. Zwei Beschleunigungs- beziehungsweise Auslaufbahnen schließen unmittelbar daran an.

Aerodynamik Research Volkswagen, Nardò Technical Center, 1980, Porsche AG

1994

Weltrekord mit schnellstem Erdgasfahrzeug durch Bugatti

Mit 344,7 km/h bricht der Bugatti EB110 GT im Juli 1994 den Geschwindigkeitsweltrekord, der mit straßenverkehrstauglichen Ökogasfahrzeugen bis dato erreicht wurde.

Bertone Z.E.R. (Zero Emissions Record)

Geformt wie eine Zigarre, gerade mal schulterbreit, elektrisch betrieben und über 300 km/h schnell – die Idee für das besagte Fahrzeug hatte Oscar De Vita, Student des Polytechnikum Mailand. Weiterentwickelt und umgesetzt wurde sie schließlich zusammen mit Bertone. 1994 brach De Vita mit einer Geschwindigkeit von 303,977 km/h den Flying-Kilometer-Rekord in Nardò

Bertone Z.E.R., Nardò Technical Center, 1994, Porsche AG

1999

Übernahme durch Prototipo

Nach 24 Jahren übernimmt die Prototipo-Gruppe das Prüf- und Testgelände. Der im Jahr 1991 im Piemont gegründete Testing-Dienstleister baut mit dem Nardò Technical Center als zusätzliche Ressource sein Angebot an Prüfeinrichtungen deutlich aus.

Prototipo Group, Nardò Technical Center, 1999, Porsche AG

2000

Bau von zusätzlichen Werkstattgebäuden

Um den stetig steigenden Kundenzahlen gerecht zu werden, baut Prototipo im Jahr 2000 vier neue Werkstattgebäude. Die damit neu geschaffenen Werkstatt- und Büroflächen für Kunden betragen insgesamt etwa 5000 m2.

Nardò Technical Center, 2000, Porsche AG

2002

Weitere Teststrecken zur Erprobung von Fahrkomfort und Geräuschentwicklung

Eine wichtige Erweiterung des Testgeländes sind die im Jahr 2002 eröffneten Strecken mit Spezialbelägen. Auf einer Länge von 1,15 Kilometer werden auf acht Meter Breite sechs unterschiedliche Beläge zur optimalen Erprobung des Fahrzeugkomforts verlegt. Weitere Neuerung: der sogenannte Noise Track mit Spezialbelag zur Messung des Vorbeifahrtgeräusches.

Nardò Technical Center, 2002, Porsche AG

2008

Eröffnung Handling Track

Am 5. Juni 2008 wird feierlich die neue Handling- Strecke eingeweiht. Der dem Nürburgring nach- empfundene Dynamikkurs mit 16 Kurven und einer Geraden auf einer Länge von 6,2 Kilometer bietet stellenweise vom Steuer aus sogar Sicht auf den Golf von Tarent (Ionisches Meer). Der Handling Track ist von der FIA (Fédération Internationale de l’Automobile) anerkannt und bietet optimale Bedingungen zur Fahrdynamik-Erprobung.

Nardò Technical Center, 2008, Porsche AG

2012

Porsche Engineering übernimmt das Nardò Technical Center

Im Mai 2012 übernimmt Porsche Engineering, die Ingenieursdienstleistungstochter der Porsche AG, das Nardò Technical Center. Das Testzentrum im Süden Italiens erweitert das Leistungsportfolio von Porsche Engineering – mit über 80 Jahren Erfahrung im Bereich der Entwicklungsdienstleistungen sowohl für die Automobilindustrie als auch für andere Branchen – in optimaler Weise.

Nardò Technical Center, 2012, Porsche AG

2015

Das Prüf- und Testgelände feiert 40. Geburtstag

Das Nardò Technical Center präsentiert sich zu seinem 40. Geburtstag frischer und dynamischer denn je: Die Erneuerung des Asphalts auf der Ringstrecke und auf weiteren Teststrecken ist in vollem Gange. Zudem werden die hohen Sicherheitsstandards des Geländes weiter verbessert. Neben der neuinstallierten, hoch innovativen Leitplanke an der Ringstrecke wird intensiv in die Rettungsinfrastruktur inklusive neuer Fahrzeuge investiert. Und damit hört die Weiterentwicklung längst nicht auf: Für die nächsten Jahre existieren bereits umfangreiche Planungen hinsichtlich Ausbau und Neuerungen, um auch in Zukunft die Kundenbedürfnisse stets vollumfänglich zu erfüllen.

Info

Text erstmals erschienen im Porsche Engineering Magazin, Ausgabe 01/2015

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