Wer hat wen im Griff: Wir die Technik oder die Technik uns? Zur Selbstbestimmung des Menschen im Zeitalter der Digitalisierung.

von Christoph Keese

Mix and Remix verkörpert die zentrale Eigenheit digitaler Ausdrucksformen der gegenwärtigen Kultur auf der ganzen Welt, von der Musik über Literatur bis zur bildenden Kunst. Oberflächlich erscheint es lediglich als Technik der Collage. Tatsächlich ist es jedoch eine Haltung, die das Vorhandene als Ressource für das gänzlich Neue wahrnimmt und transformiert. Kenta Cobayashis Bilder sprengen die herkömmlichen Kategorien. Seine Pixelströme mäandern hinweg über Schärfe und Überlagerung, mikroskopische Nahsicht und periskopische Weitsicht.

Meine Urgroßmutter hieß Leni, und ich hatte als Kind das Glück, sie noch kennenzulernen. Sie war etwa im selben Jahr geboren worden wie Stefan Zweig, in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts; für meine damaligen Begriffe war Leni steinalt. Lenis Großeltern gehörten zur Goethezeit. Sie stammten aus Thüringen, und Leni erzählte uns Geschichten von den Gasthäusern und Höfen ihrer weitverzweigten Familie, in denen Goethe Rast gemacht und spontane Gedichte im Gästebuch hinterlassen oder in Bänke und Tische geritzt hatte.

Vor meinen Augen sehe ich Leni in ihrer kleinen Wohnküche im Bergischen Land hantieren. Wenn sie kochte, stand sie im Rauch ihres Holzherds, schickte uns Kinder mit der glimmenden Asche in den Hinterhof zur blechernen Mülltonne und stemmte zufrieden die Fäuste in ihre Hüften, wenn sie die vielen Töpfe auf der heißen Platte mit ihren sieben Holzlöffeln durchgerührt hatte. Am Ende dieser körperlich anstrengenden Arbeit erhob sich ein Fest an ihrem knarrenden Holztisch, dessen Balken sich bogen unter dem Gewicht der Schüsseln, Saucieren, Platten und Körbe.

Heute, im digitalen Zeitalter, ist Kochen eine lässig ausgeübte Nebentätigkeit, die weniger Zeit in Anspruch nimmt, als Leni brauchte, um auch nur Holz in den Ofen zu stopfen. Unser heutiges Ernährungsverhalten sprengt jede Vorstellung von dem, was man früher für möglich gehalten hätte. Mikrowellen erhitzen Fertigmahlzeiten in wenigen Minuten. Convenience-Food schafft Rheinischen Sauerbraten aus dem Wasserbad. Delivery Hero bringt warme Gerichte aller erdenklichen Landesküchen in weniger als 30 Minuten auf den Tisch. Es gibt einen Kühlschrank, der die Restbestände des Inhalts analysiert und Rezeptvorschläge vorliest, was man aus den verbliebenen Reserven noch anfertigen könnte. „Alexa, bring Milch und Kartoffeln“, ist heute gerade noch der neueste Schrei, aber schon in ein oder zwei Jahren wahrscheinlich ein Relikt, weil Alexa dann gar nicht erst gebeten werden muss, ihrer Pflicht nachzukommen, sondern Nachschub bereits selbsttätig geordert hat – unsere Wünsche aufgrund des Datenbestands und mithilfe ausgefuchster Algorithmen der künstlichen Intelligenz vorausahnend, noch bevor diese Wünsche überhaupt erst in uns entstehen konnten. Das Schlaraffenland der fliegenden Gänsebraten und der fließenden Ströme aus Honig und Milch hat lange auf sich warten lassen. Mit der Digitalisierung wird es endlich wahr. Dies bleibt nicht ohne Folgen. Der Preis für den Fortschritt an Bequemlichkeit  ist  der Verlust an Sinnlichkeit. Wir sind Kinder unserer Zeit, sagt man. Aber sind wir auch noch Herren unseres Lebens?

Kürzlich traf ich einen Freund, einen begeisterten Off-Pisten-Tiefschneefahrer, der bei einer Abfahrt an einem Südhang der Schweizer Alpen ein Schneebrett ausgelöst hatte und in der darauffolgenden Lawine beinahe ums Leben gekommen wäre. Er beschrieb mir das Gefühl, wie es war, als der Grund unter ihm nachgab: „Ich spürte zunächst überhaupt nicht, was passierte“, berichtete er. „Ich traversierte den Hang und glitt so leicht wie immer durch den Schnee. Mein Blick war auf den Boden geheftet. Alles sah ganz normal aus. Dann hörte ich ein Grollen und schaute auf. Mit einem Mal bemerkte ich, dass ich im Verhältnis zu den Felsen dort drüben immer tiefer nach unten rutschte, obwohl ich doch direkt auf sie zufuhr. Da begriff ich: Mein gewohntes Referenzsystem – der Schnee, durch den ich glitt – war absolut unverändert. Doch in einem größeren Rahmen verlor ich an Höhe. Das Schneebrett, auf dem ich fuhr, glitt als Ganzes den Hang hinab. Ich erschrak zu Tode.“ Im Verlauf seiner Schilderung kam mir sein Erlebnis wie ein Gleichnis auf unsere Wandlungserfahrung in der Digitalisierung vor.

Das Gefühl von Normalität kann trügerisch sein. Wir wähnen uns mehr oder weniger im Vollbesitz moderner digitaler Kompetenz, bemerken aber nicht den Verlust anderer Fähigkeiten. Wir glauben, Kompetenzen würden sich Schicht für Schicht übereinanderlegen, und sind ohne weiteres Nachdenken fest davon überzeugt, dass wir weitaus mehr Kompetenzen besitzen als jede andere Generation vor uns. Wir halten uns für die Krönung der Technikgeschichte. Wir wurzeln fest in einem Menschheitsbild, das technischen Fortschritt als Anhäufung von Fähigkeiten versteht. Wir bilden uns ein, wir würden alle Fähigkeiten der Geschichte besitzen und oben hinauf die neuesten Kompetenzen unseres eigenen Zeitalters türmen. Doch das ist ein Irrtum.

Uns kommt gar nicht in den Sinn, dass es anders sein könnte: dass Kompetenzen nämlich einander verdrängen statt sich zu ergänzen. Dass wir für jede Fähigkeit, die wir uns aneignen, eine andere verlieren oder verkümmern lassen. Dass Menschsein nicht bedeutet, sich von Geschlecht zu Geschlecht über seine Vorfahren zu erhöhen, sondern dass die Summe der Fähigkeiten im Großen und Ganzen gleich bleibt und sich nur der Inhalt der Fähigkeiten verändert. Effizienter mögen die neuen Fähigkeiten sein, vielleicht auch zivilisierter oder kultivierter. Doch zahlreicher sind sie deswegen noch lange nicht.

Kinder drehen und schneiden Smartphone-Videos im Handumdrehen und befüllen damit ihren YouTube-Kanal. Doch sie können nicht mit einem einzigen Streichholz und ohne Pusten ein Feuer in dem engen Schacht eines Herds entfachen. Texte entstehen wie mühelos auf dem Computer, doch wer bringt es noch fertig, Briefe in kalligrafischer Schrift mit der Hand zu verfassen, einer Schrift, die Liebe für den Empfänger schon durch die Schönheit der Schwünge und Züge zum Ausdruck bringt?

Wir müssen nicht glauben, den Römern viel vorauszuhaben, nur weil wir iPhones hervorbringen, während die Römer im Kolosseum den wilden Tieren Sklaven vorwarfen. Eine wasserarme Stadt wie Rom über gemauerte Pipelines mit Frischwasser aus den Bergen zu versorgen, verlangte nicht weniger Kompetenz als das Design von Smartphones. Es sind andere Kompetenzen gewesen, die damals vorherrschten, aber nicht zwingend mehr oder weniger davon. Die Anzahl der Kompetenzen ist mehr ein Ergebnis der neurophysiologischen Kapazität des menschlichen Gehirns als des kulturellen Umfelds, in dem dieses Gehirn zur Entfaltung kommt. Oder anders ausgedrückt: Unsere Freiheitsgrade sind niedriger, als wir glauben. Wir sind gekettet an den kulturellen Kontext unserer Zeit. Wenn wir auf der Höhe unserer Zeit bleiben möchten und an der Digitalisierung mitzuwirken gedenken, dann bezahlen wir das mit dem schleichenden, kaum spürbaren, dennoch unabweislich eintretenden Verlust anderer, früherer Kompetenzen. Wir steigen nicht auf, sondern wir steigen nur um. Wir sind jedem Römer in der Technik der Kommunikation haushoch überlegen, und Cäsar wäre vor Neid erblasst beim Anblick unserer Informationsübermittlung von Gallien und Germanien nach Rom. Im Vollbesitz unserer heutigen Kompetenzen wäre ihm viel Ärger nördlich und südlich der Alpen erspart geblieben. Dafür aber würde Cäsar uns im Nahkampf mit dem Kurzschwert schneller zur Strecke bringen, als wir unser Handy zücken können, um nach Hilfe zu rufen. Zwischen den Generationen herrscht ausgleichende Gerechtigkeit.

Kompetenz und Selbstbestimmung stehen in einem engen Zusammenhang. Mich selbst zu etwas bestimmen kann ich nur, wenn ich die Fähigkeit besitze, dieser Bestimmung auch zu entsprechen. Eine Bestimmung, zu der ich nicht befähigt bin, bleibt ein Traum. Hinübertreten aus dem Reich der Vorstellung in das Reich der Wirklichkeit können wir nur an jenen Stellen, an denen Kompetenzen uns die Brücken bauen. Ohne Kompetenz gibt es keine Selbstbestimmung.

Hier nun wirft die Digitalisierung ein ernstes Problem auf. Anders als frühere Revolutionen wie die mechanische oder industrielle zielt die Digitalisierung nicht darauf ab, unsere Muskelkraft durch Dampf und Getriebe ins Unermessliche zu steigern. Sondern sie potenziert die Kraft unseres Geistes, und das in einem beständigen Marsch von einfachen kognitiven Fähigkeiten hin zu komplexen, teilweisen unbewussten und tief verborgen liegenden Vorgängen. Richtete die digitale Revolution in ihren Anfängen ihr Augenmerk vor allem auf den Wirkungszusammenhang von äußeren Reizen und inneren Reaktionen, stößt sie nun in die Funktionen von Gehirnregionen vor, die dem Reiz zeitlich vorgelagert sind und mehr zum nebligen Reich der Wünsche, Träume, Vorstellungen und Pläne gehören als zu den klar umrissenen Landschaften der Tat, des bewussten Handelns und der messbaren Wirkungen konkreter Ursache. Je weiter die digitalen Helfershelfer in die verschwommenen Regionen unseres Bewusstseins und Unterbewusstseins vordringen, desto mehr lästige Routinen werden sie uns abnehmen, desto geschmeidiger werden sie uns an das Umsorgtwerden gewöhnen und desto mehr alte Kompetenzen werden sie durch neue ersetzen.

Uns kann das nicht gleichgültig sein. Denn was heißt das konkret? Wenn Algorithmen in unsere Wunschbildung eingreifen und Wünsche erfüllen, noch bevor sie entstanden sind, dann wird die Kompetenz zur Wunschbildung so erlahmen wie ein schlecht trainierter und selten benutzter Beugemuskel am Oberarm. Mit dem Verlust der Fähigkeit, autonome Wünsche zu fassen, nimmt auch unsere Selbstbestimmung ab – freilich ohne dass wir es sofort bemerken, ähnlich wie bei meinem Freund, dem Skifahrer, dem das abgleitende Schneebrett zunächst so vorkam wie ein normaler Hang an einem normalen Berg. Wie beim Tiefschneefahrer kann es daher ratsam sein, rechtzeitig den Blick zu heben und das umliegende Gelände zu erkunden, eine Ortsbestimmung vorzunehmen und die Verschiebung zentraler Bezugsgrößen zu erkennen.

Nehmen wir als Beispiel das Auto der Zukunft. Während die meisten Menschen an die Elektrifizierung denken, findet die viel wichtigere Revolution in der Steuerung statt. Elektrische Antriebe wechseln die Form des Energieträgers, lassen das Auto jedoch im gewohnten Aggregatzustand. Erst die Einführung des automatisch fahrenden Autos löst die wahre Revolution im Verhältnis der Maschine zu den Menschen aus. Wir werden die Hände vom Lenkrad nehmen können – so weit, so gut. Doch sobald ein Algorithmus die weitgehend unfallfreie Fahrt ermöglicht, wird er uns Vorschläge für Fahrtziele unterbreiten wollen, ganz ähnlich den Abertausenden von Vorschlägen, die uns heute bereits im Internet ereilen: „Wer dieses Buch gekauft hat, hat auch jenes gekauft“, lesen wir bei Amazon. Wer Spaghetti Bolognese mag, findet meist auch Saltimbocca gut. Wer auf Ibiza glücklich war, mag auch Sizilien. Wer U2 hört, hört auch Coldplay. Wer das Hyatt in Düsseldorf bucht, springt auf Werbung für das Waldorf Astoria in Berlin an. Ganz ähnlich wird auch das autonome Auto verständnisvoll zu uns sprechen: „Ganz richtig, die Rheinauen sind ein schönes Ausflugsziel mit den Kindern an diesem Frühlingssonntag“, sagt der digitalisierte Wagen, der auf sich hält. „Aber wollen wir nicht einmal das Phantasialand ausprobieren? Dort zahlen Kurzentschlossene heute keine Mehrwertsteuer.“

Künstliche Intelligenz, klug verknüpft mit dem Auto der Zukunft, wird in der Lage sein, unser Leben um lästige Aufgaben zu bereinigen und wie ein privater Zauberlehrling in uns hineinzuhören, um unsere immanenten Wünsche zu erkunden und stehenden Fußes zu erfüllen. Alle Informationen, die für eine derart vorausschauende Planung benötigt  werden, liegen in den Informationssystemen vor, die uns heute schon umgeben. Sie müssen nur noch verknüpft, ausgewertet und in unseren Dienst gestellt werden. Jenen Assistenten, die das können, werden wir leichten Herzens die Regie über unseren Alltag überlassen. Assistenten, die uns glücklich machen, gestehen wir gern die Autorität zu, in unserem Sinne zu handeln, ohne dass sie uns vorher überhaupt fragen müssen. Wir werden künftig genauso selbstverständlich auf den Autopiloten des Lebens umschalten, wie der Jumbopilot heute nach dem Start den Autopiloten für den Rest des Fluges aktiviert. Das Auto als Wirkungsort der wohlmeinenden digitalen Vormundschaft bietet sich deswegen so geschmeidig an, weil es unser Fahrtziel und unsere Route ändern kann. Es wirkt als Erfüllungsgehilfe unterbewusster Wünsche, weil es uns zum Ort der Sehnsucht kutschiert, noch bevor wir uns der Sehnsucht selbst bewusst geworden sind.

Wie werden wir uns fühlen in solchen Autos? Nehmen wir die digitalen Assistenten als Unterdrücker unserer Selbstbestimmung wahr oder begrüßen wir sie dankbar, weil sie uns das Leben erleichtern? Am wahrscheinlichsten ist es, dass wir uns diese Fragen gar nicht erst vorlegen, wenn es diese Autos erst einmal gibt. Kompetenzverlust geht einher mit einer Verringerung des Reflexionsvermögens. Verloren gegangene Kompetenzen werden nicht als Verlust empfunden. Wir sind uns der meisten Dinge nicht bewusst, die wir nicht können. Wir leiden im Alltag nicht darunter, dass wir einen Basketball nicht auf 15 Metern Entfernung sicher in den Korb befördern können. Nur wenn wir aufgefordert werden, einen solchen Wurf vor den Augen geübter Basketballspieler zu vollbringen, empfinden wir das eigene Nichtvermögen als peinlich und schämen uns. Gibt es jedoch niemanden, der einen solchen Wurf vollbringt, ist uns das eigene Nichtkönnen schon wieder egal. Wir leiden nicht darunter, dass wir einen gusseisernen Herd nicht mit einem einzigen Streichholz entzünden können – schon deswegen nicht, weil es solche Herde in unseren Küchen nicht mehr gibt und weil es offener Lagerfeuer in unseren Häusern zur Lebenshaltung nicht mehr bedarf. Wir vermissen das Nichtkönnen heute nicht mehr sonderlich, solange wir von Mitmenschen umgeben sind, die es ebenfalls nicht können. Ganz in diesem Sinne werden wir nach dem Einzug hyperpräziser Vorhersage-Algorithmen den  Verlust des schönen Gefühls, einen Plan zu fassen oder einen Wunsch zu hegen, nicht als Amputation wahrnehmen. Gesetzt, dass uns digitale Assistenten in den Zustand wohliger Zufriedenheit oder vielleicht sogar des Glücks befördern, ohne dass wir den Umweg über das Pläneschmieden oder Wunschverfassen gehen mussten, so lange werden wir zufrieden sein.

Eine schreckliche Vorstellung, werden viele sagen. Dennoch sollten wir diesem heute empfundenen Schrecken nicht allzu hohe Bedeutung beimessen. Er wird uns später weitaus weniger schrecklich vorkommen als jetzt. „Das Leben wird nach vorne gelebt und nach hinten verstanden“, schreibt der Philosoph Rüdiger Safranski. Der Verlust an Selbstbestimmung kommt uns nach vorne gerichtet  furchtbar und in der Rückschau bedeutungslos vor.

Langsam beginne ich zu verstehen, warum meine Urgroßmutter nichts von Gas- und Elektroherden wissen wollte. Leni wischte den Gedanken beiseite, das glaube ich inzwischen fest, weil sie den Geruch des Feuers mochte. Weil sie das Prasseln des Holzes gerne hörte und das Kitzeln des Qualms in den Nasenlöchern liebte. Sie mochte das Gefühl der Macht über die Natur, wenn sie mit dem Ratschen eines Hölzchens über die Reibefläche einen ganzen Stoß Holz in Flammen setzte. Sie verspürte den pyromanischen Reiz, der jeden befällt, der in geschlossenen Räumen das gefährliche Spiel mit dem Feuer beginnt. Sie wollte den Kaffee nicht schnell kochen – sie wollte ihn langsam zu sieden beginnen sehen. Sie empfand den Kaffee als größeren Lohn für die Mühen ihres Lebens, wenn sie ihn mühsam den Widernissen der Elemente abringen musste. Es durfte ihr nicht zu leicht fallen – das hätte sie ihres verdienten Lohnes für das harte, karge Leben beraubt. Kurzum: Das Kochen am archaischen Feuer sah nur für unsere Augen wie ein Anachronismus aus. Für meine Urgroßmutter war es ein Fest der Sinne und eine Feier des Lebens. Ihre Selbstbestimmung sah vor, sich dieses  Vergnügen  von  nichts und niemandem stehlen zu lassen. Auch nicht von uns, den technikverliebten Enkeln und Urgroßenkeln.

Wir können heute nur raten, wie Leni dachte. Ebenso wenig werden unsere Urenkel verstehen können, warum wir uns den Mühen der freien Entscheidungsfindung in so vielen trivialen Situationen ausgeliefert haben, wo doch in der damit vergeudeten Lebenszeit so viel Besseres anzufangen gewesen wäre. Sind die Urenkel, die uns später auf diese ungeheure Art nicht mehr verstehen wollen, dümmer als wir? Nein, das sind sie nicht. Sie verfügen nur über andere Kompetenzen, und das müssen wir akzeptieren.

 

Christoph Keese, Jahrgang 1964, ist erfolgreicher Buchautor („Silicon Valley – Was aus dem mächtigsten Tal der Welt auf uns zukommt“) und seit Kurzem CEO der Axel Springer hy GmbH. Zuvor war er Manager beim Medienunternehmen Axel Springer und trieb als Executive Vice President den Umbau der Firma zu einem Internet-Unternehmen voran.

Kenta Cobayashi, geboren 1992 in Kanagawa, Japan. Für ihn wird mit Fotografie hinterfragt, was es bedeutet, Wahrheit einzufangen. Diese Frage umreißt er mit unterschiedlichen Ansätzen. Seine Werke wurden in Gruppenausstellungen gezeigt wie „trans-tokyo / trans-photo“, Jimei × Arles International Photo Festival (Xiamen, China, 2015), „New Material“, Casemore Kirkeby (San Francisco, 2016), „Close to the Edge: New Photography from Japan“, MIYAKO YOSHINAGA (New York, 2016), „GIVE ME YESTERDAY“, Fondazione Prada (Mailand, 2016), „AHEAD STILL LIES OUR FUTURE“ (Photography biennale FORMAT, 2017, UK). Auch in namhaften öffentlichen Sammlungen wie das Asian Art Museum in San Francisco sind seine Werke ausgestellt. Sein erstes Fotobuch „Everything_1“ wurde 2016 von Newfave veröffentlicht.