Singapur – oder: Vom Ort, an dem die Zukunft jetzt ist

Wie sich die Mobilität in Signapur verändert, durften Anja Hendel und Andy Grau kürzlich selbst erfahren. Auf einer viertägigen Reise drehte sich alles rund um Innovationsmanagement in südostasiatischen Märkten und die Frage, wie Künstliche Intelligenz & Co. in Singapur für die Mobilität der Zukunft genutzt werden.

600.000 Autos sind derzeit in Singapur zugelassen – und es wird kein einziges mehr. Neuzulassungen genehmigt der asiatische Stadtstaat nur, wenn ein altes Fahrzeug stillgelegt wird. Was in anderen Teilen der Welt beinahe unmöglich scheint, hat Singapur bereits vor 20 Jahren beschlossen. Im Februar 2018 hat das Land die Wachstumsrate für zugelassene Autos und Motorräder nun von 0,25 Prozent pro Jahr auf Null gesenkt.

Wie sich dadurch die Mobilität in der Stadt verändert, durften wir, Anja und Andy, kürzlich selbst erfahren. Auf unserer viertägigen Reise drehte sich alles rund um Innovationsmanagement in südostasiatischen Märkten und die Frage, wie Künstliche Intelligenz & Co. in Singapur für die Mobilität der Zukunft genutzt werden. Dazu haben wir Startups, diversen Innovation Labs und unseren Kolleginnen und Kollegen von Porsche Asia Pacific einen Besuch abgestattet, gekrönt von der Teilnahme an der Innovationskonferenz Innovfest Unbound.

So viel sei schon mal vorweggenommen: Die Reise war absolut beeindruckend! Wir haben viele inspirierende Menschen getroffen und beeindruckende Mobilitätslösungen kennengelernt – Singapur weiß wirklich, wie man Innovation im wahrsten Sinne des Wortes auf die Straße bringt.

Not macht erfinderisch: Die Pilotierung neuer Mobilitätskonzepte in Stadtstaaten

Der Stadtstaat südlich von Malaysia ist eine Smart City aus dem Bilderbuch. Das liegt vor allem an der klaren Vision der Regierung in Sachen Innovation, Effizienz und Nachhaltigkeit: Bis 2022 will das Land zur Smart Nation werden. Dazu arbeitet Singapur mit 300 Experten an einer Cloud-basierten Plattform, die die komplette Stadt vernetzt. Einige wichtige Meilensteine auf diesem Weg hat der Stadtstaat bereits erreicht: Beispielsweise hat jedes Gebäude einen digitalen Zwilling, ein virtuelles 3D-Modell. Seit 15 Jahren nutzt Singapur ein intelligentes Mautsystem, das die Abgaben für Autofahrer je nach Auslastung der Straßen und der Tageszeit kalkuliert – um die private Pkw-Nutzung einzudämmen. Gleichzeitig fördert die Regierung autonom fahrende Fahrzeuge im öffentlichen Personennahverkehr. Bis 2022 sollen selbstfahrende Busse, Taxis und auch Lkws Singapurs Einwohner von A nach B bringen – ganz selbstverständlich für alle, so wirkt es.

Not scheint tatsächlich erfinderisch zu machen: Stadtstaaten steht nur eine begrenzte Fläche zur Verfügung, die Einwohnerdichte ist oft hoch. Daraus ergeben sich bestimmte Probleme, denen Singapur schon lange mit technologischer Innovation begegnet – und das sehr erfolgreich. Für die Erprobung neuer, digitaler Konzepte können wir daraus eine Menge lernen – Stadtstaaten scheinen die ideale Umgebung für die Pilotierung von Smart City- und Mobilitätslösungen zu sein. Die Erfahrungen, die Singapur in den letzten 20 Jahren damit gesammelt hat, teilt der Stadtstaat mit allen Interessierten, Nachbarn und Experten auf dem Innovfest Unbound, um andere Staaten dabei zu unterstützen, ein eigenes Innovations-Ökosystem aufzubauen. Welcher Veranstaltungsort könnte dafür besser geeignet sein?

„Hidden“ Champions: das Startup-Ökosystem Südostasiens

Treiber der Innovation ist natürlich nicht allein die singapurische Regierung, sie hat vielmehr nahezu perfekte Rahmenbedingungen für neue Ideen und Konzepte geschaffen. Startups, Innovation Labs und Unternehmen haben die Möglichkeit, neue Konzepte zu entwickeln und sie umfassend zu testen – für die Mobilität der Zukunft und weit darüber hinaus.

Auf unserer Reise durften wir einige dieser Projekte selbst kennenlernen. Besonders beeindruckend war die Arbeit von Sqreem: Das Startup hat eine Plattform für künstliche Intelligenz aufgebaut, die in der Lage ist, Verhalten, Kontext und Logik in einer Komplexität zu erfassen, die weit über menschliche Fähigkeiten hinausgeht. Eine Maschine, die sich Fachwissen schneller und besser als jeder Mensch aneignen kann. 

Auf dem Smart Nation Summit durften wir auch Kevin Aluwi kennenlernen und gemeinsam über Digitale Transformation auf einem Panel sprechen. Er ist Mitgründer des Mobilitätsstartups Go-Jek, das hierzulande niemand kennt und doch mehr als 50 Städte in Südostasien bewegt. Besonders faszinierend an Go-Jek ist, dass das Unternehmen zunächst als Call Center startete. Erst drei Jahre nach Gründung machte das Team eine 180-Grad-Wende und krempelte das komplette Geschäftsmodell zu einem on demand Transport- und Lifestyle-Dienst um. Diese mutige Entscheidung veränderte die Mobilität in Südostasien nachhaltig und machte Go-Jek zum ersten Startup Indonesiens, das mit mehr als einer Milliarde US-Dollar bewertet wird. Das erste Einhorn Indonesiens!

Weder Silicon Valley noch Shenzhen – die Innovationskraft kleiner Märkte

Viel zu lange hat sich unser Blick auf der Suche nach technologischen Innovationen ausschließlich gen Westen, ins Silicon Valley gerichtet. Und das ist natürlich auch nicht falsch, wie dieser Beitrag meiner beiden Kollegen Steffen Haug und Stephan Baral erklärt. Aber wir haben dazu gelernt und nun auch Startup-Hotspots wie Tel Aviv und ganz sicher auch China’s Mega-Städte auf dem Zettel. Doch diese Reise hat uns sehr deutlich gezeigt: Auch der Blick in kleinere Märkte lohnt sich! Singapur ist unser Tor nach Asien und vereint nicht einfach nur das Beste aus beiden Welten, sondern hat ein ganz eigenes Ökosystem geschaffen. Es ist enorm wichtig, individuelle Stärken verschiedener Städte und Länder und natürlich auch aller Menschen wahrzunehmen, um die vielversprechendsten Technologien und Konzepte zu identifizieren und gemeinsam mit starken Partnern Innovation im Porsche Konzern zu entwickeln.