Rückschau auf die CES

2019 ist das Jahr der Evolution, nicht der Revolution. Mit diesem Gefühl kehrten drei Porsche-Experten von der „Consumer Electronics Show“ (CES) in Las Vegas zurück. Hier schildern Sie ihre Eindrücke.

Die CES gibt alljährlich einen Vorgeschmack auf die zu erwartenden Technikinnovationen des Jahres. Manchmal handelt es sich um bahnbrechende Neuerungen, manchmal um Weiterentwicklungen dieser Neuerungen. Beides ist weder gut noch schlecht, denn der ewige Kreislauf der Innovation und Ausreifung ist vollkommen natürlich.

In diesem Jahr trat Letzteres ein: Wir haben viele Technologien gesehen, die 2018 noch technische Prototypen waren und 2019 zu echten Geschäftsmodellen herangereift sind. Zur Veranschaulichung möchten wir Ihnen drei Haupttrends der CES 2019 vorstellen, die die Automobilbranche in den kommenden Jahren wohl grundlegend verändern werden.

Autonomes Fahren

Auf der letzten CES ließen sich viele unserer Kollegen bei Porsche von einer Testfahrt in einem der selbstfahrenden Fahrzeuge von Aptiv begeistern. Seit Mai 2018 können sich Lyft-Benutzer in Las Vegas mit einem der über 30 autonom fahrenden Fahrzeuge der Aptiv-Flotte von A nach B bringen lassen – vorausgesetzt, man hat das Glück, dass gerade ein Fahrzeug in der Nähe ist.

Aptiv hat uns mit seinem konstanten Fortschritt beeindruckt. Bereits im Januar 2018 wurden wir Zeuge reibungsloser, sicherer und vollkommen autonomer Fahrten. Jetzt, 2019, überzeugt das Fahrzeug selbst in heiklen Situationen mit menschlichem Fahrverhalten und zeigt sogar eine gewisse Beharrlichkeit, wenn andere Verkehrsteilnehmer auf seine Fahrspur drängen.

2019, Porsche AG

Nach den Entwicklungen im Bereich des autonomen Fahrens, die in den letzten Jahren sowohl bei Hardware als auch bei Software zu beobachten waren, zeigte die diesjährige CES klar, dass dem technischen Fortschritt stets auch entsprechende Geschäftsmodelle folgen. Dies gilt nicht nur für die Zusammenarbeit zwischen Aptiv und Lyft, sondern auch für Konkurrenten wie Waymo und Uber, die ihre selbstfahrenden Flotten ständig erweitern.

Datenmarktplätze und Datenschutz

2018 erreichte der KI-Hype seinen bisherigen Höhepunkt – nicht alle Versprechen konnten eingehalten werden, aber vieles ist sehr interessant und faszinierend. Inzwischen haben KI und Datenanalysen das Produktivitätsplateau fast erreicht und entwickeln sich zur Grundausstattung der Automobilbranche.

Bei der CES 2019 drehte sich alles um KI-Geschäftsmodelle und die riesigen Datenmengen, die Fahrzeuge, Menschen und sonstige Geräte erzeugen. Das Versprechen ist groß: Schon sehr bald werden OEMs gegenseitig ihre (nicht-differenzierenden) Daten kaufen und verkaufen. Das Sammeln und Verkaufen von Daten, z. B. zu Straßen- und Wetterbedingungen, wird sich also zu einer festen Größe innerhalb der Geschäftsmodelle von OEMs entwickeln.

Das Rennen um die führende Plattform hat bereits begonnen: Auf der CES 2019 haben Continental, HERE, Trillium und andere ihre künftigen Plattformen vorgestellt. Neue datengetriebene Plattformen werfen allerdings auch Fragen zu Datenschutz, Datensicherheit und Vertrauen auf. Vor allem, wenn es um äußerst datenschutzrelevante Daten autonomer Fahrzeuge geht, die künftig wohl zwischen Versicherern, OEMs und Tier-1-Zulieferern geteilt werden.

Las Vegas, 2019, Porsche AG

Neue Konzepte, wie Differential Privacy, sichere Enklaven für Datenverarbeitung, Federated Learning und Blockchain, haben das Potenzial, diese Fragen zu beantworten. In jüngster Zeit hat Apple Datenschutz und Vertrauen zu einem besonderen Argument für den Kauf seiner Produkte erhoben. Obwohl nicht auf der CES vertreten, verhüllte das Unternehmen aus Cupertino Las Vegas förmlich mit riesigen Bannern, auf denen „What happens on your iPhone, stays on your iPhone“ (Was auf deinem iPhone passiert, bleibt auf deinem iPhone) zu lesen war. Hier bei Porsche sehen wir diese Entwicklung mit Wohlwollen und beteiligen uns aktiv an der Entwicklung von Technologien, die Daten schützen und Vertrauen schaffen.

Shy Tech auf dem Vormarsch
 

„Die bedeutendsten Technologien sind die, die einfach verschwinden. Sie integrieren sich in den Alltag, bis sie nicht mehr zu erkennen sind.“ Mark Weiser

Dieses berühmte Zitat von Mark Weiser aus den 80er-Jahren charakterisiert den Einsatz von Shy Tech, der in den letzten Jahren zugenommen hat. Die Zukunft des selbstfahrenden Autos vereint Eleganz mit neuen Funktionalitäten, die auf fortschrittlichen Materialien basieren. Technologie wird in passive Materialien wie Holz, Leder und Textilien eingebettet und zeigt sich nur dann, wenn sie benötigt wird. Ein gutes Beispiel sind die „Morphing Controls“ von Continental, deren Tasten in einer glatten Lederoberfläche versinken, oder die Touchdisplays von Panasonic, die durch ein elegantes Holzpaneel scheinen.

Vor allem heute, 2019, hat man den Eindruck, als wäre bald der gesamte Fahrzeuginnenraum mit Displays ausgekleidet – nicht nur in Pkw, sondern auch in Nahverkehrsmitteln. Neue Technologien wie roll- und faltbare Displays (z. B. das neue POLED-Display von LG) könnten die Benutzerinteraktion maßgeblich verändern. Viele Kunden und Entwickler fühlen sich aber von den immer neuen Möglichkeiten und Funktionen überfordert. Die Herausforderung liegt daher in der dezenten Integration der UI und dem geschickten Einsatz anderer Verfahren, wie etwa der Spracheingabe.

2019, Porsche AG

Partnerschaften zwischen OEMs und Startups sind wichtiger denn je

Die CES 2019 zeigte auch, dass das Innovationspotenzial im Automobilbereich weit über das Portfolio etablierter OEMs und Tier-1-Zulieferer hinausgeht. Wenige Branchen haben in den letzten Jahren so viele Umwälzungen erfahren wie der Automobilsektor, man denke nur an (frühere) Start-ups wie Uber, Lyft und Tesla.

Die Präsentationen zahlreicher OEMs dieses Jahr haben gezeigt, dass „Open Innovation“ – das Entwickeln von Innovationen unter Erschließung des Potenzials externer Partner – mittlerweile weit verbreitet ist. Unternehmen errichten weltweit Innovationsstützpunkte, beteiligen sich an Gründerzentren und Accelerators, senden ihre Tech-Scouts in die Welt hinaus und gehen Partnerschaften mit Forschern, Unternehmern und Risikokapitalgesellschaften ein.

Wir sind der Ansicht, dass die zunehmende Kooperation im Automobilsektor Vorteile für alle bietet: Start-ups können zeigen, dass ihre Technologien funktionieren, und etablierte Unternehmen erhalten mit neuen Partnerschaftsmodellen Zugriff auf Innovationen, die die Zukunft der Automobilbranche prägen werden.

Unser Fazit

Die diesjährige CES zeigte die Evolution von technologiegetriebener Innovation hin zu innovativen Geschäftsmodellen. Dies gilt nicht nur für das autonome Fahren, Shy Tech, Datenmarktplätze und Start-up-Partnerschaften, sondern auch für unser (nicht-automobiles) Highlight: die Vorstellung des ersten kommerziellen 20-Qubit-Quantencomputers durch IBM. Diese und die zahlreichen anderen Entwicklungen, die wir auf der CES gesehen haben, versprechen ein inspirierendes, innovatives und spannendes Jahr 2019 für Porsche.

Autoren

Verfasst von Tobias Grosse-Puppendahl (Innovation Manager Electrical/Electronic Engineering bei Porsche AG), Andy Grau (Innovation Manager Purchasing) und Christina Enßlin (Innovation Manager Porsche Exclusive).

Tobias Grosse-Puppendahl, Christina Ensslin, Andy Grau, l.-r., 2019, Porsche AG
Tobias Grosse-Puppendahl, Christina Enßlin und Andy Grau (l-r)

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Verbrauchsangaben

  • 8,3 l/100km
  • 191 – 190 g/km

Panamera 4S

Kraftstoffverbrauch/Emissionen*
Kraftstoffverbrauch* kombiniert 8,3 l/100km
CO2-Emissionen* kombiniert 191 – 190 g/km