Herr Reimold, wird es 2050 noch Verbrenner geben?

Albrecht Reimold: Nach allem, was ich heute einschätzen kann, lautet die Antwort ganz klar: Ja! Bei Porsche haben wir bereits vor Jahren eine klare, nachhaltige Produktstrategie beschlossen. Sie beruht auf einem Dreiklang aus effizienten Verbrennungsmotoren, emissionsarmen Hybridmodellen und rein elektrischen Fahrzeugen. Mehr denn je rücken dabei emissionsarme Technologien in den Vordergrund. Der Verbrenner hat noch viel Potenzial, um den steigenden Umweltanforderungen gerecht zu werden.

Auch bei Porsche?

Reimold: Gerade bei Porsche! Bereits in fünf Jahren wird jeder zweite Porsche einen Elektromotor haben – als Hybridfahrzeug oder reiner Elektrosportwagen. Damit übernehmen wir eine technologische Vorreiterrolle. Die Weltregionen entwickeln sich aber stark unterschiedlich in Bezug auf die Elektromobilität und ihren infrastrukturellen Ausbau. Daher befassen wir uns auch mit innovativen Lösungen wie nachhaltig produzierte synthetische Kraftstoffe. Diese werden in den kommenden fünf Jahren marktreif sein. Experten zufolge könnten sogenannte eFuels mehrere Millionen Tonnen CO₂ im Jahr einsparen.

Was heißt das für die künftige Modellpalette?

Reimold: Porsche wird elektrischer, aber nicht rein elektrisch. Den 911 wird es nicht mit rein elektrischem Antrieb geben. In den kommenden fünf Jahren investieren wir rund 15 Milliarden Euro in die Elektromobilität, nachhaltige Produktion und digitale Transformation.

Die Weichen sind also in Richtung Zukunft gestellt. Gibt es konkret formulierte Ziele? 

Reimold: Die großen Herausforderungen unserer Zeit sind zugleich unsere Chancen. Die Porsche- Strategie 2030 legt fest, dass wir noch nachhaltiger werden und unsere Verantwortung gegenüber der Gesellschaft ernst nehmen. Unser Antrieb ist auch weiterhin Begeisterung. Porsche bleibt die Marke für Menschen, die ihren Träumen folgen.

Warum ist Ihnen gerade Nachhaltigkeit so wichtig?

Reimold: Nachhaltigkeit ist ein zentrales Element in unserer Strategie. Wichtig ist uns dabei, das Thema ganzheitlich zu betrachten – wirtschaftlich, ökologisch und sozial. Die Grundlage bilden sechs Handlungsfelder: darunter Dekarbonisierung, Diversität oder transparente Lieferketten. Diese beziehen wir in alle künftigen Aktivitäten ein. Konkret bekennen wir uns zu den Pariser Klimazielen und streben beispielsweise eine CO₂-neutrale Produktion an allen unseren Standorten an. Für Zuffenhausen gilt das auch schon seit Anfang vergangenen Jahres, Leipzig folgt in diesem Jahr.

Porsche ist ein Pionier nachhaltiger Mobilität. Welche traditionellen Markenwerte geben dabei Orientierung?

Reimold: Porsche hat schon früh konsequent gehandelt, was Langzeitgarantien, Abgas- und Sicherheitstechnologien angeht. Recyclingfähigkeit und Langlebigkeit sind seit jeher wichtig – auch für unsere Kunden. Die vollverzinkte Karosserie wurde bei Porsche schon Mitte der 1970er-Jahre eingeführt. Und wir sind sehr stolz darauf, wie viele aller jemals produzierten Porsche immer noch fahren. Was gibt es Nachhaltigeres als ein Fahrzeug, das Jahrzehnte alt ist und seine Besitzer immer noch fasziniert? 

Der Taycan ist sehr innovativ, auch was seine Produktion betrifft – wie bewerten Sie die bis hierher gemachten Erfahrungen?

Reimold: Durchweg positiv. Der Taycan war eines der anspruchsvollsten Projekte, die Porsche je in Angriff genommen hat. Wir haben in unserem Stammwerk eine komplett neue Fabrik errichtet. Wir haben gänzlich neue und innovative Fertigungsprozesse etabliert. Wir haben rund 2.000 neue Stellen geschaffen und ein intensives Qualifizierungsprogramm aufgelegt. Und trotz aller Schwierigkeiten, die wir im vergangenen Jahr zusätzlich mit der Corona-Pandemie zu bewältigen hatten, konnten wir unser ursprüngliches Ziel von 20.000 verkauften Einheiten übertreffen. Der Taycan ist ein faszinierendes Fahrzeug zur richtigen Zeit. 

Nun folgt der Cross Turismo. Welche Erfahrungen aus der Taycan-Fertigung konnten Sie für Optimierungen nutzen? 

Reimold: In der heutigen Zeit und insbesondere bei Elektrofahrzeugen ist Automobilbau eine Mischung aus Hardware- und Softwarethemen. Der neue Cross Turismo macht da keine Ausnahme. Es ist ja nicht so, dass er vollständig anders ist. Für das erste Taycan-Derivat mussten wir deshalb nichts komplett umkrempeln. Wir haben vielmehr identifiziert, wo wir im Detail besser werden können. Effizienter, Porsche-typischer. 

Taycan und Taycan Cross Turismo entstehen dank innovativer Produktionsmethoden – Stichwort Produktion 4.0. Was sind die besonderen Kennzeichen?

Reimold: Am Auffälligsten ist sicher, dass wir in der Montage das klassische Fließband durch fahrerlose Transportsysteme ersetzt haben. Dem Fließprinzip folgend, transportieren diese Systeme den Taycan und jetzt den Cross Turismo selbstständig von Station zu Station. Wir nennen das Flexi-Line, sie gibt uns neue Möglichkeiten: Wir können die Fertigung jederzeit modifizieren, Verbesserungen integrieren oder einen Bypass fahren, um beispielsweise besondere Kundenwünsche umzusetzen. 

Ist es geplant, diese Produktionsmethoden auch für andere Modellreihen zu übernehmen oder auf den gesamten Konzern auszuweiten?

Reimold: Im Zusammenhang mit der Porsche-Produktion 4.0 wird oft von einer Revolution gesprochen. Tatsächlich entwickeln wir das weiter, was wir bereits in der Vergangenheit durch Lean-Methoden, Automatisierung oder in der virtuellen Produkt- und Fertigungsplanung geschaffen haben. Wichtig ist: Der Mensch steht bei uns weiterhin im Mittelpunkt. Wir setzen auf hoch qualifizierte Fachkräfte. Die Digitalisierung hilft uns bei der ergonomischen Gestaltung der Arbeitswelt und unterstützt bei der Analyse komplexer Abläufe. Bei unserem Konzept der Smart Factory geht es nicht nur darum, Daten punktuell zu erheben. Wir denken darüber nach, wie komplette Prozessstrecken auf Effizienzpotenziale analysiert werden und die geforderte Qualität sichergestellt wird. Hier arbeiten wir mit den Konzernkollegen im Rahmen der digitalen Produktionsplattform (DPP) eng zusammen.

Ihr großes Ziel ist die Zero Impact Factory. Was sind die wesentlichen Schritte auf dem Weg dorthin?

Reimold: Nachhaltigkeit ist die Summe vieler einzelner Elemente. Ich vergleiche es mit einem Puzzle. Den Taycan fertigen wir in Zuffenhausen von Anfang an CO₂-neutral, seit Beginn 2020 gilt das auch für die Modelle 911 und 718. Unsere Vision der Zero Impact Factory reduziert den ökologischen Fußabdruck auf ein Minimum. Wir haben dafür bereits klare Leitlinien aufgestellt. Wichtig ist eine ganzheitliche Betrachtung. Nicht nur die Emissionen der eigenen Produktion werden bewertet, sondern der gesamte Lebenszyklus der Fahrzeuge – von der Materialgewinnung bis hin zum Recycling.

Zero Impact Factory

Was bedeutet „Zero Impact Factory“? Der Porsche Newsroom erklärt die zwölf Handlungsfelder.

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Seit 2014 hat Porsche den CO₂-Ausstoß in Produktion und Logistik pro Fahrzeug um mehr als 75 Prozent reduziert. Mit welchen Maßnahmen lässt sich das noch steigern?

Reimold: Mit viel Leidenschaft, Detail- und Überzeugungsarbeit. Wir nutzen bereits zu 100 Prozent Strom aus erneuerbaren Energien. Zudem wickeln wir sämtliche Bahntransporte mit regenerativem Grünstrom und damit klimaneutral ab. Am Standort Zuffenhausen erzeugen wir Wärme in eigenen Blockheizkraftwerken, die CO₂-neutral mit Biogas betrieben werden. Sie sehen, es ist ein großes Puzzle – die Ideen gehen uns nicht aus und den Willen haben wir allemal. 

Wann erreicht Porsche das Ziel der Zero Impact Factory?

Reimold: Wir sind auf einem guten Weg. Zeitlich und inhaltlich haben wir uns einen ganz konkreten Fahrplan vorgenommen. Die zahlreichen Zwischenziele bringen uns jedes Mal einen Schritt näher in Richtung CO₂-Neutralität.

Welche Rolle spielt CO₂-Neutralität bei der Fertigung der Komponenten, insbesondere bei der Batteriezellenfertigung?

Reimold: Wir halten bei der Reduzierung von CO₂-Emissionen die gesamte Prozesskette im Blick. Für die Produktion der Hochvolt-Batteriezellen des Taycan haben wir daher konsequent die Nutzung von erneuerbaren Energien als vertragliche Anforderung durchgesetzt. Wir untersuchen das auch für weitere Umfänge. Klar ist, dass aufgrund unseres hohen externen Wertschöpfungsanteils ein vergleichsweise hoher Anteil unserer CO₂-Emissionen in der Lieferkette entsteht. Deshalb sind wir auf eine enge Zusammenarbeit und hohe Kooperationsbereitschaft unserer Partner und Lieferanten angewiesen. 

Was macht den Taycan zu einem nachhaltigen Fahrzeug?

Reimold: Bereits bei der Entwicklung der neuen Modelle haben wir insbesondere auf Leichtbau, Aerodynamik und Recyclingfähigkeit geachtet. Insgesamt ist die Bauweise so gewählt, dass wir möglichst energiearm produzieren können. Erstmals verwenden wir zudem nachwachsende Rohstoffe, beispielsweise in der Türverkleidung. Und der Bodenbelag besteht aus einer Recyclingfaser, die unter anderem aus ausgemusterten Fischernetzen gefertigt wird.

Ist Nachhaltigkeit im Sportwagensegment überhaupt ein relevantes Kriterium?

Reimold: Mehr denn je. Unsere Kunden machen sich genauso wie wir Gedanken um ihren ökologischen Fußabdruck. Das Leben wird bewusster. Viele Menschen legen Wert auf einen schonenden und nachhaltigen Umgang mit natürlichen Ressourcen. Alleine mit Sportlichkeit und Performance können wir heute nicht mehr punkten. 

„Alleine mit Sportlichkeit und Performance können wir heute nicht mehr punkten." Albrecht Reimold

Aber kann ein Sportwagen Vorbild sein für andere Fahrzeuggattungen?

Reimold: Auch hier ein klares Ja. Effizienz ist eines der wesentlichen Merkmale sportlicher Fahrzeuge. Insofern sind wir immer auch Vorreiter und Vorbild für effiziente Technologien. Denken Sie beispielsweise an die Hybridtechnologie, die wir zuerst erfolgreich im Renneinsatz eingeführt haben, bevor sie den Weg in die Serie ging. Und was im oberen Marktsegment gut funktioniert, wird meist auch in anderen Fahrzeugklassen übernommen. Mit unserem Porsche-Weg verfolgen wir das Ziel einer technologischen Vorreiterrolle und richten das Unternehmen konsequent auf die Mobilität der Zukunft aus.

Ist das Automobil also eine Chance oder ein Risiko fürs Klima?

Reimold: Nicht mehr und nicht weniger als jede andere Errungenschaft unserer Zivilisation. Die individuelle Mobilität zählt zu den Grundbedürfnissen unserer hochgradig vernetzten Welt. Mehr denn je wird heute überlegt, was wirklich wichtig ist im Leben. Etablierte Verhaltensweisen werden hinterfragt und sich auf das Wesentliche besonnen. Davon können alle profitieren. Ich glaube, dass insbesondere die Elektromobilität profitieren wird und einen deutlichen Schub erhält. Wichtig wird in Zukunft aber auch weiterhin eine Vielfalt an Mobilitätssystemen sein, die individuelle Bedürfnisse berücksichtigt. Viele Menschen träumen vom eigenen Fahrzeug. Und wir bei Porsche werden alles dafür tun, diese Sehnsucht so zu erfüllen, dass sie möglichst in Einklang mit dem Klima steht. 

Info

Text erstmalig erschienen im Porsche-Magazin Christophorus, Nr. 398.

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