Augen lügen nicht – die Kunst von Lionia Singh

Die Melbourner Künstlerin Lionia Singh malt Gesichter aus aller Welt, sucht die richtige Balance zwischen Neugier und Erkenntnis. Über inspirierende Spannungsfelder und Familienfahrten im Porsche Cayenne.

Wer durch Brunswick streift, erlebt eine Kulturreise. Der Melbourner Vorort ist geprägt von Einwanderern aus aller Welt. Lionia, die ausdrücklich beim Vornamen genannt werden möchte, kam dort an, als sie zehn Jahre alt war. Drei Jahre zuvor waren ihre Eltern mit ihr und den beiden Geschwistern von Portugal nach Australien gezogen, hatten sich zunächst in Sydney niedergelassen. Heute 46 und selbst Mutter zweier Teenager, erinnert sie sich an ihre Kindheit im Süden Europas.

Lionia Singh, 2021, Porsche AG
Die in Melbourne lebende Künstlerin Lionia Singh

„Wir lebten in Salvaterra, einer Kleinstadt im Landesinneren. Ich wohnte in derselben Straße wie meine Cousins und Cousinen, wir stromerten den ganzen Tag herum, sprangen an Seilen in Flüsse, es war ein tolles Freiheitsgefühl.“ Australien war ihr völlig fremd. Lionia sprach noch kein Englisch, fühlte sich isoliert. Doch später in Brunswick war sie nicht mehr allein. Sie erzählt von Freunden unterschiedlichster Herkunft und Schichten. „Polen, Griechen, Italiener, Pakistani – wir besuchten uns gegenseitig zu Hause, probierten die verschiedenen Gerichte, lernten die Bräuche der anderen kennen.“

Verliebt in den Cayenne

Diese Erlebnisse haben sie geprägt: „Sie sind die Inspiration für meine Serie Faces of the World.“ Die großformatigen Porträts haben sie bekannt gemacht. Sie zeigen Menschen mit intensiven Blicken. Die Augenpaare ziehen den Betrachter magisch hinein in unterschiedliche Welten. Heute lebt und arbeitet die Künstlerin im Vorort Sandringham. Noch etwas südlicher, in Black Rock, Bayside, eröffnete sie 2020 Lionia's art showroom. Er liegt auf dem Weg zu einem weiteren Lieblingsort von ihr – der Mornington Peninsula. Wir folgen dem Verlauf der Bucht. Am Steuer ihres schwarzen Porsche Cayenne erzählt Lionia: „Jeden Tag bin ich aufs Neue verliebt in die schönen Details des Autos und genieße dieses souverän entspannte Fahrgefühl. Wir machen gerne lange Familienausflüge, auch unser Hund fühlt sich sehr wohl im Cayenne.“

Lionia verbrachte schon als Kind viele Stunden mit Zeichnen und sammelte Bilder aus Modezeitschriften in einem Album, das sie bis heute hütet. „In dieser Welt kann ich mich noch immer verlieren“, schwärmt sie. Nach ihrem Abschluss an der renommierten Modeschule des Royal Melbourne Institute of Technology schuf sie mit einer Freundin das Modelabel Steflion – vertreten in zahlreichen Geschäften und beachtet auf der Australian Fashion Week. Doch dann zog es sie wieder nach Europa.

Gemeinsam mit ihrem heutigen Ehemann lebte sie ein Jahr lang in London. Sie fand einen spannenden Job als Style Advisor beim aufstrebenden Online-Versandhändler Net-A-Porter. Damals beschäftigte das heutige Milliardenunternehmen gerade einmal 30 Leute. „Was ich in der Modewelt erlebt habe, hilft mir bei meiner Kunst“, erklärt Lionia. „Denn Mode bedeutet, ein Statement abzugeben. Das spielt in meinen Werken eine zentrale Rolle. Und auch die überwältigende Wirkung von Farben habe ich im Modemetier gelernt.“

Faces of the World Serie von Lionia Singh, 2021, Porsche AG
Projekt Faces of the World
„Spirit of India“, 2021, Porsche AG
„Spirit of India“
„Angola Red – African woman“, 2021, Porsche AG
„Angola Red – African woman“
„Alma“, inspiriert von Salma Hayek, 2021, Porsche AG
„Alma“, inspiriert von Salma Hayek
„African Gold“, 2021, Porsche AG
„African Gold“
„Dreamtime Child“, 2021, Porsche AG
Mit Bildern wie „Dreamtime Child“, Porträt eines jungen Aborigines, will die Künstlerin Neugier für verschiedene Ethnien wecken.
„Om“, 2021, Porsche AG
Das Werk „Om“ strahlt Gelassenheit aus.
„Inner Gold“, 2021, Porsche AG
Symbol der Liebe oder Fassade: „Inner Gold“ lässt die Bedeutung des goldenen Herzens offen. Das Bild ist in Acrylfarbe ausgeführt.
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2005 kehrte das Paar nach Melbourne zurück. Die vielen Reisen und der Stress der Modebranche passten nicht zu einem Familienleben. Ihr Nachwuchs und ein Traum brachten Lionia zurück zum Zeichnen. „Meine Kinder sahen mich nur als umsorgende Mutter, aber ich wollte ihnen auch etwas vermitteln aus dem Leben, das ich vor ihnen geführt hatte. Dann sah ich mich im Traum um die Welt reisen, fremde Kulturen entdecken und große Bilder malen. Ich wusste: Das ist es!“. Die Gesichter erzählen von Herkunft. „Meine Bilder sollen dazu beitragen, vorgefasste Meinungen über Bord zu werfen, und dazu anregen, mehr über andere Lebensarten herausfinden zu wollen“, beschreibt die Künstlerin.

„Ascendance” von Lionia Singh, 2021, Porsche AG
Fingerspitzengefühl: Lionia kombiniert gerne Gold mit Acrylfarben. So wie in ihrem Werk „Ascendance“. Was man auf ihren Gemälden nicht sieht: Es ist Musik drin! Die gebürtige Portugiesin arbeitet stets zu Klängen thematisch passender Playlists.

Malerei mit Fokus auf indigenen Völker

Sie schuf ein Porträt des internationalen Filmstars Salma Hayek, inspiriert von deren Rolle der mexikanischen Künstlerin Frida Kahlo im Film Frida (2002). Lionia malt nach wie vor stilisierte Bilder aus der Modewelt, die ebenfalls menschliche Fragilität vermitteln. Aber ihr Fokus liegt auf indigenen Völkern: Aborigine-Kinder, Maori-Frauen, Menschen aus Stammeskulturen in Afrika oder Bali. Die Bilder sind eindrucksvoll, hyperreal und fantasiereich – Ausdruck von Lionias Sehnsucht nach einem tieferen Verständnis der Welt.

Sie bewundert Coco Chanel und Frida Kahlo – gegensätzlicher könnten Stil und Intention kaum ausfallen. Doch in Lionias Ästhetik verschmelzen beide zu einem Einklang. „Coco Chanel ging es immer um Minimalismus. Ihr Motto war: ‚Bevor du ausgehst, leg etwas ab.‘ Frida Kahlo hingegen packte immer viel in ihre Werke, sie konnte sich in blumige Opulenz hineinsteigern. Ich finde dieses Spannungsfeld unglaublich inspirierend!“ Lionia beherrscht den klassischen Ansatz, tendiert aber zum Unkonventionellen, wozu die kommerzielle Modewelt auf Dauer nicht passen wollte.

Als sie 2015 zu malen begann, wollte sie damit auch ein Zeichen gegen die Diskriminierung der indigenen Bevölkerung setzen. Einen Teil der Faces-Sammlung spendete sie später an die Hilfsorganisation World Vision Australia. „Wer etwas Unbekanntem begegnet, kann sich leicht fürchten. Aber meine multikulturelle Prägung hat mich gelehrt, dass wir Menschen uns im Grunde alle immer nach denselben Dingen sehnen.“

Unterstützung von Porsche

Das Porsche Zentrum Brighton in Australien unterstützte ihr Projekt Faces of the World mit Ausstellungen. Ihre Kunstkalender waren erfolgreich, die Arbeit an einem ledergebundenen Prachtband mit ihrer Malerei ist abgeschlossen. Jetzt ist Lionia bereit, neue Wege einzuschlagen. In ihren jüngsten Arbeiten spielt die Spiritualität eine noch größere Rolle. „Ich beschäftige mich mit der Entwicklung unserer Seele und der Frage, was uns das Leben lehren kann“, erklärt sie. Wir stehen vor den Golden Lessons. Die großflächige, im Stil einer Wandmalerei gehaltene Arbeit ist das Porträt einer weinenden Frau. Es ist intensiv, dennoch löst der Anblick auch positive Reaktionen aus. „Die Frage in diesem Bild lautet: ‚Du weinst, aber hast du aus deiner Erfahrung auch etwas gelernt?‘“, erläutert Lionia. „Manchmal erteilt dir das Leben eine ‚goldene Lektion‘.“ In einem anderen Werk wird das linke Auge einer Frau von einem Herz eingefasst. 

Lionia Singh, Cayenne, 2021, Porsche AG
Aura: Lionia findet Inspiration in der Natur. Vorfreude auf neue Perspektiven fühlt sie bereits vor dem Start im Porsche Cayenne.

Und der Betrachter fragt sich: Ist das Liebessymbol nur Fassade? Was bleibt dahinter verborgen? „Du kannst eine Situation instinktiv beurteilen, indem du jemandem in die Augen schaust“, bestätigt Lionia . „Du siehst die Verwundbarkeit und Wahrheit des Moments, suchst nach der richtigen Balance zwischen Neugier und Erkenntnis. Augen lügen einfach nicht. Deshalb spielen sie in meiner Arbeit so eine große Rolle.“

Info

Text erstmalig erschienen im Porsche-Kundenmagazin Christophorus, Nr. 399.

Autorin: Jane Rocca
Fotograf: Tim Harris

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Verbrauchsangaben

Cayenne

WLTP*
  • 12,5 – 11,5 l/100 km
  • 283 – 259 g/km

Cayenne

Kraftstoffverbrauch / Emissionen
Kraftstoffverbrauch kombiniert (WLTP) 12,5 – 11,5 l/100 km
CO₂ Emissionen* kombiniert (WLTP) 283 – 259 g/km
NEFZ*
  • 9,4 – 9,2 l/100 km
  • 215 – 210 g/km

Cayenne

Kraftstoffverbrauch / Emissionen
Kraftstoffverbrauch* kombiniert (NEFZ) 9,4 – 9,2 l/100 km
CO₂-Emissionen* kombiniert (NEFZ) 215 – 210 g/km